
von Rolf Axer
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen (GdO) haben die Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum) zur Libelle des Jahres 2025 gekürt. Damit wählen der Umweltverband und die Libellenkundler zum 13. Mal in Folge die „Libelle des Jahres“. Ziel ist auf die Vielfalt der Arten und ihre Bedrohung aufmerksam zu machen – denn 48 der insgesamt rund 80 heimischen Libellenarten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Insekten. Und dies gilt auch europaweit wie eine ganz aktuelle Rote Liste für die EU belegt. Mit der besonders auffallenden aber sehr seltenen Gebänderten Heidelibelle soll auf die starke Gefährdung unserer Gewässer in der freien Landschaft hingewiesen werden. [1]
Mit der Erftverlegung zwischen Gymnich und Türnich wurde mit dem Umschluss am 23.10.2025 ein naturnahes Gewässerbett für die Erft von ca. 5,5 km Länge (zuvor war der Flutkanal 2,5 km lang) geflutet. Das neue Flussbett durchzieht mäanderförmig die ursprüngliche Aue, die Raum für Veränderungen im Flussverlauf und Platz für Überschwemmungen bietet. Die Renaturierung erfolgte naturnah, womit verschiedene Lebensräume für alle im Gewässer lebenden Organismen entstanden sind und die Artenvielfalt in der Erft und im angrenzenden Gebiet gesteigert wird.

Im Jahre 2005 wurde ein neues, ca. 5 km langes Flussbett der Inde, vergleichbar mit der beschriebenen neuen Erft, naturnah gestaltet, mit neuen Flutmulden, Auenbereichen und kleineren Stillgewässern.
Nun zurück zur Libelle des Jahres: Die Gebänderte Heidelibelle wurde zwischen 2005 und 2013 an der Inde nachgewiesen. Da es sich bei dem neuen Erftabschnitt praktisch um eine Blaupause der Inde handelt, was die Naturnähe und die sich selbst überlassende Mäanderform angeht, ist die Besiedlung durch die Gebänderte Heidelibelle zu erwarten. Ein paralleles Monitoring der Erft wird erfolgen. Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet.
Die Gebänderte Heidelibelle
Sympetrum pedemontanum (Müller in Allioni, 1766)
Sympetrum ist der wissenschaftliche Name für eine Gattung der Segellibellen, „pedemontanum“ kommt aus der Landschaft Piemont und bedeutet „an den Füßen der Berge wohnend“. Der deutsche Name bezieht sich auf die breiten dunkelbraunen Flügelbinden dieser Libelle.
Ihr Lebensraum ist der äußerste Osten und dehnt sich über Norddeutschland und Süddeutschland aus.
Wie der lateinische Name sagt, lebt sie besonders in gebirgigen Gegenden, bevorzugt in der Nähe niedriger Berge. In NRW gibt es bislang wenige Lebensräume. Ein für uns neues Gebiet ist die renaturierte Inde,. Sophienhöhe, Ville, und Voreifel wären ebenfalls möglich.
Sie besiedelt unterschiedliche Gewässer, wobei ihre Vorlieben noch nicht genau verstanden sind. Je nach Gegend trifft man sie in Flussauen, verwachsenen mäandrierenden Wiesengräben, überfluteten Wiesengräben, Kies- und Sandgruben – also in Lebensräumen, wie die neue Erft sie bietet. Die Art kommt mit starken Schwankungen bis zur Austrocknung von Gewässern klar. Sie besucht und besiedelt instabile Biotope im frühen, kurzlebigen Sukzessionsstadium. [2]
Die Libelle ist schwer zu beobachten. Sie fliegt langsam, flatterhaft wie ein Schmetterling, niedrig über Gewässern in Ufernähe oder über mittelhoher Vegetation nahe am Boden, um sich immer wieder gern zu setzen.
Beide Geschlechter sind unverkennbar gezeichnet mit den braunen Flügelbändern an allen vier Flügeln. Sie unterscheiden sich durch den roten Hinterleib und rosafarbene Flügelmale beim Männchen (m), während das Weibchen (w) weiße Flügelmale und einen gelbbraunen Hinterleib hat.
Größe der ausgewachsenen Libelle: Körper 20-23 mm; Flügel: 20-26 mm das Weibchen ist ca. 2 mm kleiner.
Nach bisherigen Befunden beginnt die Flugzeit Ende Juli und dauert bis in den Oktober. Abhängig von der Region und vom Klimawandel können sich die Angaben aber ändern.
Die Libelle gilt als stark gefährdet.
Ich würde mich freuen, wenn sie an der neuen Erft bald beobachtet werden könnte.
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1 - K-J. Conze, Dipl.-Biol.; GdO e.V. Freundliche Unterstützung und Bildrechte
2 - Andreas Martens, Hansruedi Wildermuth; Taschenlexikon der Libellen