von Reinhold Wonner
Ein schöner gepflegter Rasen war für mich, wie für viele andere Gartenbesitzende, das „non plus ultra“ eines gepflegten Gartens. So nahm das „beruhigende Grün“ bei der Anlage unseres Grundstücks in den frühen 2000ern fast den ganzen Garten in Beschlag. Nur die Sträucher als Sichtschutz am Grundstücksrand, ein paar Stauden und ein kleiner Teich machten dem Rasen ein wenig Platz streitig. Über die Jahre wuchs neben den Staudenbeeten auch der Teich und es war schön zu beobachten, welches Leben sich dort mit den unterschiedlichen Amphibien und Insekten einstellte. Auf dem Rasen war es dann schon deutlich übersichtlicher mit ein paar Amseln auf der Suche nach Würmern. Die Diskussionen um Artenschutz, Biodiversität, Klimawandel und nicht zuletzt die Hitzesommer der letzten Jahre drängten mir den Gedanken auf, ob ich meiner Verantwortung als Gartenbesitzer gerecht werde. Die Fläche der Privatgärten in Deutschland umfasst nämlich etwa die Hälfte aller deutschen Naturschutzgebiete und Nationalparks und stellt einen echten Hebel in Bezug auf den Artenschutz dar. Die Idee der Blumenwiese war also geboren. Meine Frau befürchtete zwar, dass unser Garten nicht mehr so gepflegt aussehen würde, am Ende einigten wir uns aber auf das Experiment.
Anfang 2025 war es dann so weit. Ungefähr 25 Quadratmeter hatte ich schnell umgegraben. Als meine Frau nach Hause kam und sie mich im Garten mit den Worten „soooo groß“ begrüßte, wurde mir klar, dass wir uns über die Größe nie so genau geeinigt hatten. Naja, jetzt war’s schon umgegraben. Die Strafe folgte aber dann auf dem Fuße, denn die Rasensoden vom noch feuchten Boden zu befreien war deutlich schweißtreibender, als erwartet und schien kein Ende zu nehmen. Mangels moralischer Unterstützung meiner Frau bildete ich mir ein, dass die Heckenbraunelle ihr schönes Lied nur für mich trällerte und sich über die neue Blumenwiese schon freute. Die nächsten Schritte gingen dann schnell von der Hand, so dass ich bald das Saatgut auf der frisch geharkten Fläche ausbringen konnte. Nun hieß es jeden Tag wässern und warten.
Nach einigen Wochen bildeten die ersten kleinen Pflänzchen dann einen grünen Schimmer, der sich mit den steigenden Temperaturen schnell in ein sattes kräftiges Grün verwandelte. Es brauchte dann wieder etwas Geduld, bis sich aus den ersten zarten Blüten nach und nach ein buntes Blütenmeer entwickelte, wunderschön anzusehen. Es dauerte etwas, aber dann stellte sich ein munteres Summen und Brummen ein. Verschiedene Wildbienen, Schwebfliegen, Grashüpfer und andere Insekten hatten die Wiese gefunden. Welche Bereicherung für unseren Garten! Im Verlauf des Jahres entwickelte sich die Wiese prächtig weiter. Nur die Kamille schien sich nicht an die Beschreibung des Saatguts halten zu wollen, denn Sie überragte die geplante Höhe von 50 cm locker um einen halben Meter. Vermutlich war die Erde dann doch etwas zu nährstoffreich, denn ich hatte mir bei der Bodenvorbereitung die Abmagerung gespart.
Nach einem ersten Schnitt im Hochsommer dauerte es dann einige Wochen, bis sich ein paar Blüten blicken ließen, nicht mehr so üppig, wie zuvor, aber immer noch schön anzuschauen. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Wiese und Artenvielfalt im nächsten Jahr entwickeln wird.
Ich kann Sie nur ermuntern, eine Wildblumenwiese anzulegen, am besten mit Samen von heimischen Wildblumen. Auch wenn es nur eine kleine Fläche sein sollte, werden Sie viel Freude an der Entwicklung haben und einen kleinen Beitrag für die Artenvielfalt leisten.
Weitere Informationen zur naturnahen Gartengestaltung finden Sie auch unter https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen
Bild: Reinhold Wonner, NABU Rhein-Erft
(2026)