Seit 2012 finden jedes Jahr in der ersten Sommerferienwoche die Wiesenwerkstatt und in der ersten Herbstferienwoche die Erntewerkstatt unter meiner Leitung statt. Das hat schon Tradition. Doch zur Tradition, wenn sie bestehen bleiben soll, gehört auch die Weitergabe der Fackel!
Klingt einfach, aber bisher hat sich trotz mehrfacher Versuche niemand gefunden, der übernimmt. Nicht 1 zu 1, schließlich muss jeder auch seine persönlichen Vorstellungen einbringen können. Ich werde jedenfalls 2026 ein letztes Mal für die Werkstätten verantwortlich sein, unterstützt wie all die Jahre von einem bewährten Team. Diese werden zwar noch einige Zeit weitermachen, wenn sich ein Organisator findet, aber nicht federführend.

Für die Kinder waren die Werkstätten immer ein tolles Naturerlebnis, ganz ursprünglich, ohne viel Schnickschnack. Selbst entdecken, forschen, mit eigenen Händen etwas herstellen – das fehlt heute vielen Kindern in einer Zeit, wo alles, egal ob groß oder klein, selten oder häufig, über das Handy abrufbar ist. Der Wert der Entdeckungen wird beliebig. Und weil alles jederzeit verfügbar ist, verlernt man das Staunen, das Staunen über die großen und kleinen Wunder der Natur. Gerade in der Wiesenwerkstatt geschieht es jeden Tag viele Male. Die zartrosa Sternchen der Tausendgüldenkrautblüte, der grüngelb schillernde Panzer des Rosenkäfers, die langen, zierlichen Fühler des Grashüpfers, die Schmetterlinge, die im Terrarium für kurze Zeit einmal genauer betrachtet werden dürfen. Wer solche Wunder erlebt, lernt, achtsam mit seiner Umwelt umzugehen, sie zu bewahren und sie zu fördern.
Eltern haben mir häufiger davon berichtet, dass ihre Kinder sie später fragten, ob es wirklich nötig sei, den ganzen Rasen jede Woche zu mähen und nicht doch eine Ecke für die Insekten stehen zu lassen. Das war vor der Zeit der Mähroboter!
Das Bauen von Insektenhotels gehört schon zum festen Programm, Dosenhotels mit Schilf- und Bambusstängeln gefüllt und angebohrte Holzklötze. Unter Aufsicht hantieren die Kinder wie Profis mit den Bohrmaschinen. Eine Gemeinschaftsarbeit gehört zum Programm. 2025 hatte Reinhold Wonner einen alten Baumstamm so vorbereitet, dass für jedes Kind der Anfangsbuchstabe des Vornamens dort markiert war. Auf dieser Linie bohrte jedes Kind die Brutröhren für die Insekten. Der Stamm hängt nun gut sichtbar an der NAJU-Hütte.

18 Kinder waren in diesem Sommer dabei – einige mehr als vorgesehen. Dafür waren in der Erntewerkstatt im Herbst nur 11 Kinder. So konnten alle gleichzeitig zur Ernte von Gemüse und Kartoffeln in den NABUnten Garten. Mit beiden Händen zogen sie Porreestangen aus der Erde, holten Möhren aus dem Beet und buddelten Kartoffeln aus. Und das lohnte sich: Die dicksten wogen fast 400 Gramm! Daneben wirkte der Kürbis dieses Jahr recht mickrig – knapp ein Kilo.
Wenn es auf die Obstwiese geht, meint man, die „Sieben Schwaben“ seien unterwegs, jeder mit eigenem Spieß! Nein – natürlich sind das die Apfelpflückstangen. Es dauert meist eine ganze Weile, bis es gelingt, die Äpfel in den Pflücksack zu bugsieren. Reife Äpfel hängen nur noch lose am Stiel und fallen schnell bei Berührung runter. Wenn sie ins hohe Gras fallen, schadet das nicht, aber am Weg fallen sie auf Beton und platzen. Dann sind sie höchstens noch zum Saft pressen geeignet. Das machten wir am zweiten Tag. Liter um Liter köstlicher Apfelsaft floss aus der Korbpresse. Jeder bekam eine 0,5 Liter Flasche mit nach Hause, und am nächsten Tag wurde auch noch Apfelgelee gekocht.
Viel zum Gemeinschaftsgefühl hat dazu beigetragen, dass wir die Mahlzeiten gemeinsam vorbereiteten, so weit vorhanden, mit Produkten aus dem NABUnten Garten. So haben wir die geernteten Kartoffeln fast komplett zu Reibekuchenteig gerieben, aus dem Reinhold Wonner und Rolf Hedemann köstliche Reibekuchen brieten und Monika Deges den Kindern servierte.
Und an den Schluss jeder Werkstatt gehört das gemütliche Lagerfeuer mit Stockbrot.
Hoffentlich über 2026 hinaus!
Bilder: NABU Rhein-Erft, Reinhold Wonner
Text: Gisela Wartenberg
(2026)