
von Dr. Matthias Schindler, Biologische Station Bonn/Rhein-Erft
Die Efeu-Seidenbiene beginnt ihre Fortpflanzungsperiode erst Ende August mit Blühbeginn der von ihr präferierten Nahrungspflanze und damit später im Jahr als alle anderen heimischen Wildbienenarten. Obwohl sie schon 2012 in Düren gefunden wurde, erfolgte der Erstnachweis für den Friesheimer Busch erst im Jahr 2024.
Das Naturschutzgebiet „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“ ist mit seinem Blütenreichtum, lückig bewachsenen Bodenflächen und sonnenexponierten Wällen ein wichtiger Lebensraum für wärmeliebende Insektenarten, wie Wildbienen. Im Gebiet wurden bislang mehr als 150 Wildbienenarten nachgewiesen, die von der hohen Vielfalt geeigneter Nist- und Nahrungshabitate profitieren (Jakubzik & Cölln 2013, Diestelhorst & Schindler unveröff.). Nachdem im NABU-Info 2022 über die Holzbiene als neue Art berichtet wurde, konnten in den Folgejahren weitere Nachweise neuer Wildbienenarten für das Gebiet erbracht werden.
Im Herbst 2024 wurde erstmals die Efeu-Seidenbiene „Colletes hederae“ im Gebiet nachgewiesen und auch im Jahr 2025 bestätigt. Bei dieser etwa 1,2 cm großen Wildbienenart schlüpfen die Männchen Ende August, die Weibchen Anfang September. Bei günstiger Witterung können die Weibchen bis Ende Oktober aktiv sein. Den Pollen zur Versorgung der Brutzellen sammeln sie überwiegend an Blüten von Efeu (Hedera helix). Man kann die Bienen häufig an mit Efeu überwachsenen Zäunen oder Mauern beobachten. Ihre Nester graben die Weibchen in vegetationsarme Lößböden, Böschungen und sehr oft auch in Sandgruben, zum Beispiel auf Spielplätzen. An den Nistplätzen können große Kolonien mit mehreren Hundert Nestern entstehen.
Die Efeu-Seidenbiene ähnelt anderen Seidenbienenarten, wie der Heidekraut-Seidenbiene. Daher blieb diese Art lange unerkannt und wurde erst 1993 neu beschrieben. Rückschlüsse auf das Vorliegen einer eigenen Spezies gaben ihre Blütenpräferenz und die späte Aktivitätsperiode. Die beiden verwandten Seidenbienen-Arten sammeln Pollen an Heidekrautgewächsen (Ericaceae) bzw. Korbblütlern (Asteraceae). Seit ihrer Entdeckung stammten in Deutschland die meisten Nachweise der Efeu-Seidenbiene zunächst aus der Oberrheinebene bis zum Mittelrhein und zur Mosel. Nach 2006 hat sich diese Art in Deutschland insgesamt stark verbreitet und wurde 2008 auch erstmals in Nordrhein-Westfalen beobachtet. Wie für viele andere Fundorte typisch, wurden mehrere dutzend Nester in einer Sandgrube entdeckt. Ein möglicher Grund für die vergleichsweise späte Besiedlung des Friesheimer Busches könnte das eingeschränkte Angebot sonnenexponierter Bestände von Efeu sein. (2026)