Brutvogelkartierung im Naturschutzgebiet Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch

von Matthias Schindler, Conni Presslmayr, Hermann Schmaus

Goldammer
Die überdurchschnittliche Revierdichte der Goldammer im Naturschutzgebiet „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“ ist ein Beleg für die Bedeutung des Gebietes für Vogelarten des Offenlandes

Das rund 50 ha große Naturschutzgebiet „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“ wird durch artenreiche Grünlandflächen sowie die typischen Erdwälle aus der früheren militärischen Nutzung als Munitionsdepot geprägt. Im Jahr 2003 übernahm der NABU Rhein-Erft die Landschaftspflege auf rund 35 ha des Gebietes. Viele Flächen werden mit einer Schaf- und Ziegenherde von der Verbuschung freigehalten. Die Grünlandbiotope sind im Rhein-Erft-Kreis einzigartig und haben sich in der südlichen Niederrheinischen Bucht zu bedeutenden Magerrasen- und Heidestandorten entwickelt.

Neuntöter
Für den Neuntöter ist die kleinräumige Verfügbarkeit dorniger Feldgehölze und eines großen Insektenangebotes im Naturschutzgebiet „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“ eine wichtige Grundlage für den Fortpflanzungserfolg

Das Naturschutzgebiet ist mit seinen weitläufigen Offenlandflächen ein wichtiger Lebensraum für viele Vogelarten, deren Bestände in der heutigen Kulturlandschaft stark zurückgegangen sind. Umfassende Kartierungen des Vogelbestandes erfolgten in den Jahren 2005, 2007/2008, 2015 und 2020. Für 2025 liegen nun wieder aktuelle Ergebnisse einer umfangreichen Brutvogelkartierung vor, die vom NABU Rhein-Erft gemeinsam mit der Biologischen Station Bonn / Rhein-Erft im Munitionsdepot durchgeführt wurde. In Anlehnung an die vorherigen Untersuchungen wurden von März bis Juli an sieben Terminen entlang einer festgelegten Begehungsstrecke eine Siedlungsdichtekartierung von Vögeln durchgeführt (vgl. Südbeck et al. 2025). Auf Basis der Häufung von Beobachtungen an bestimmten Orten wurde auf Reviere geschlossen und die Anzahl potenzieller Brutpaare im Gebiet bestimmt.

 

Im Jahr 2025 wurden im Naturschutzgebiet, den Betriebsflächen des „Umweltzentrums Friesheimer Busch“ und dem angrenzenden Waldrand insgesamt 62 Vogelarten erfasst, von denen 42 als Brutvögel identifiziert wurden (s. Tabelle). Bemerkenswert sind die Vorkommen der Offenlandarten Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola) (NRW: nicht gefährdet, Niederrheinische Bucht: RL 3), Baumpieper (Anthus trivialis) (NRW: nicht gefährdet, Niederrheinische Bucht: nicht gefährdet), und Neuntöter (Lanius collurio) (NRW: RL V, Niederrheinische Bucht: RL V) (Rote Liste Angaben nach Sudmann et al. 2023). Die Bestände dieser wertgebenden Arten sind gegenüber 2020 stabil geblieben oder sogar gestiegen (s. Tab. 1). Das Schwarzkehlchen wurde 2025 mit sechs Revieren erfasst, der Bestand des Neuntöters hat sich gegenüber 2020 mit vier Revieren sogar verdoppelt.

Auch beim Baumpieper wurde ein Anstieg der Revierzahlen dokumentiert (2020: 3 Reviere, 2025 4 Reviere). Zu den weiteren bemerkenswerten Offenlandarten mit Brutvorkommen zählen der Gelbspötter (Hippolais icterina) (NRW: nicht gefährdet, Niederrheinische Bucht: RL 1), der Bluthänfling (Carduelis cannabina) (NRW: RL 3, Niederrheinische Bucht: RL 2), die Turteltaube (Streptopelia turtur) (NRW: RL 1, Niederrheinische Bucht: RL 1) und die Nachtigall (NRW: RL 3, Niederrheinische Bucht: RL 1). Die Bestände dieser Arten sind im Untersuchungsgebiet gegenüber den bisherigen Erfassungen stabil geblieben. Die Goldammer wurde als Charakterart des Offenlandlebensraumes mit 18 Revieren (36 Rev./ 10 ha), einer für die Region weit überdurchschnittlichen Revierdichte, festgestellt (vgl. Grüneberg et a. 2012, LANUK 2025).

 

Bei der aktuellen Untersuchung konnten Heidelerche und Feldschwirl als Brutvogel nicht bestätigt werden, letztere Art trat als Durchzügler im Gebiet auf. Besonders interessant sind Beobachtungen des Bienenfressers, der nach 2024 wieder im Gebiet auftrat. Von Mitte Mai bis August wurden regelmäßig mehr als 10 bis 15 Tiere bei der Jagd von Insekten beobachtet. Diese Art ist als Profiteur der Klimaerwärmung im Rhein-Erft-Kreis inzwischen ein regelmäßiger Brutvogel, der Steilwände in Kiesgruben als Brutplatz nutzt. Aus den benachbarten Kiesgruben sind aktuelle Brutvorkommen bekannt.

Ebenfalls bemerkenswert sind Reviernachweise einiger Vogelarten, die dem angrenzenden Waldrand zuzuordnen sind. Hierzu zählen unter anderem Kolkrabe und Pirol, die auch bereits 2020 dokumentiert wurden. Neu nachgewiesen wurden gegenüber 2015 und 2020 Reviere von Rotmilan, Schwarzspecht und Wespenbussard. Letztere Art war ortsansässigen Ornithologen bereits vor 2015 als Brutvogel des Waldgebietes NSG „Friesheimer Busch“ bekannt.

 

Die aktuellen Ergebnisse der Brutvogelkartierung bestätigen die herausragende Bedeutung des Naturschutzgebietes „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“ als Lebensraum für Vogelarten des Offenlandes. Bei der Entwicklung und Pflege des Gebietes sollte der Erhalt weitläufiger insektenreicher Offenlandflächen, als wichtige Nahrungshabitate, im Mittelpunkt stehen. Darüber hinaus profitieren Charakterarten wie Neuntöter von Feldgehölzen und Baumpieper, Nachtigall und Turteltaube von Sukzessionsflächen mit lockerem Gehölzbestand im Übergangsbereich zum Waldrand. Durch Abstechen von Wällen könnten im Gebiet kleine Hangkanten als mögliche Nistplätze für Bienenfresser geschaffen werden, von denen auch wärmeliebende Insektenarten in besonderem Maße profitieren würden. Da viele der wertgebenden Vogelarten in der Brutzeit störempfindlich sind, sollte der bisher praktizierte umsichtige Umgang mit Öffentlichkeitsveranstaltungen beibehalten werden.

 

Grüneberg, C., S. R. Sudmann sowie J. Weiss, M. Jöbges, H. König, V. Laske, M. Schmitz & A. Skibbe 2012: Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens, NWO & LANUV (Hrsg.), LWL-Museum für Naturkunde, Münster. 480 S.

 

Sudmann, S. R., M. Schmitz, C. Grüneberg, P. Herkenrath, M. M. Jöbges, T. Mika, K. Nottmeyer, K. Schidelko, W. Schubert & D. Stiels (2023): Rote Liste der Brutvogelarten Nordrhein-Westfalens, 7. Fassung, Stand: Dezember 2021 Charadrius 57: 75 - 130.

 

Südbeck, P., H. Andretzke, S. Fischer, K. Gedeon, C. Pertl, T. J. Linke, M. Georg, C. König, T. Schikore, K. Schröder, R. Dröschmeister & C. Sudfeldt (Hrsg.) (2025): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. 1. Überarbeitete Auflage. Münster.

 

 

Landesamt für Natur, Umwelt, und Klima Nordrhein-Westfalen (2025): www.biodiversitaetsmonitoring.nrw.de/monitoring/de/arten/brutvoegel (05.11.2025).

Lageplan
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Quelle NABU Info 2026