
von René Delonge
In der Nähe von Friesheim erstreckt sich das Gebiet des ehemaligen Munitionsdepots der belgischen Armee. Neben dem Natur- und Umweltzentrum Friesheimer Busch ist dort nach dem Abzug der Truppen in den 1990er Jahren ein Naturschutzgebiet entwickelt worden, ein Hotspot für Biodiversität.
Seit 2002 betreibt der NABU Rhein-Erft eine Naturschutz- und Landschaftspflegestation (LPS), die insbesondere das Gebiet des Naturschutzgebietes „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“, mehr als 40 Hektar, pflegt. Das Gebiet ist ein Mosaik aus vielfältigen Lebensräumen: über duftende Heiden und trockene Rasengesellschaften bis hin zu feuchten Nasswiesen und Orchideenwiesen, die seltene Pflanzenarten beherbergen. Als jemand, der vor einem Jahr aktiv in diese Welt des ehrenamtlichen Naturschutzes eingetaucht ist, kann ich aus erster Hand berichten: Die LPS ist nicht nur ein Ort der Arbeit, sondern ein Abenteuer, das Körper und Geist bereichert. In diesem Artikel möchte ich die breite Palette an Aufgaben beschreiben, die warmherzigen Menschen vorstellen und die nahtlose Integration in die Gruppe beleuchten – alles basierend auf meinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen.

Vielfältige Arbeiten: Ein Kaleidoskop aus Naturschutz und Handwerk
Jeder meiner Arbeitstage – meist samstags von 9 bis 14 Uhr – beginnt mit einem lockeren Treffen an der Heuhütte, wo sich die Aktiven zusammenfinden, um bei einem Kaffee und motivierenden Worten die für den Tag anstehenden Arbeiten zu besprechen. Die Aufgaben sind so abwechslungsreich, dass kein Tag dem anderen gleicht, und sie decken ein breites Spektrum ab: von physischer Arbeit im Gelände über tierische Pflege bis hin zu organisatorischen Herausforderungen.
Beginnen wir mit der Landschaftspflege, die das Herzstück der LPS bildet. Eine typische Aktivität ist das Entbuschen der Heideflächen, hier entfernen wir mit Sägen und Scheren Sträucher wie Birken oder Ginster, um die offenen Böden zu erhalten, die für seltene Insektenarten essenziell sind und fördern so das Wachstum seltener Pflanzenarten bis hin zu Orchideen. Mit dem Mulcher entfernen wir höheren Bewuchs, bei der Mahd schneiden wir das Gras mit modernen Mähern und gewinnen Heu als Winterfutter für die Tiere. Diese Arbeiten verhindern die Verbuschung und halten die Magerwiesen und Feuchtgebiete intakt, die für Amphibien und Vögel lebenswichtig sind.
Neben unseren Pflegemaßnahmen spielen Tiere eine große Rolle. Die LPS setzt auf extensive Beweidung mit Schafen, Ziegen und Galloway-Rindern, die als "natürliche Rasenmäher" wirken.
Als Ehrenamtler übernehmen wir die tägliche Herdenkontrolle. Wir zählen die Tiere, überprüfen auf Verletzungen, füllen Wassertröge auf und versorgen sie in den vegetationsarmen Monaten mit Heu. Besonders aufregend sind saisonale Höhepunkte wie die Schafschur im Frühling oder die Klauenpflege, um Lahmheiten zu vermeiden. Im Lämmerzeitraum helfen wir bei der Aufzucht, Flaschenfüttern der Waisenkinder, bei Impfungen und Beobachten der ersten Schritte der flauschigen Neulinge. Diese Arbeit ist nicht nur physisch, sondern auch emotional bereichernd.
Die netten Menschen: Ein Netzwerk aus Leidenschaft, Wärme und Witz
Hinter all diesen Aktivitäten stehen die Menschen, eine Gruppe von ca. 20 bis 30 Ehrenamtlichen, die so vielfältig sind wie die Landschaft selbst. Es gibt Rentner mit jahrzehntelanger Erfahrung, junge Schüler und Studenten als auch berufstätige Menschen, die am Wochenende abschalten wollen. Was sie alle eint, ist die tiefe Leidenschaft für den Naturschutz und eine herzliche, unkomplizierte Art.
Die Atmosphäre ist geprägt von Wärme und Humor. Während der Arbeit haben wir Spaß und interessante Gespräche. Nach getaner Arbeit sitzen wir regelmäßig zusammen bei einem verspäteten Brunch, zu dem jeder etwas beiträgt, oder teilen selbstgebackenen Kuchen – Momente, die die Gruppe zu einer echten Familie machen. In einer digitalen Welt, wo Kontakte flüchtig sind, bietet die LPS echte Verbundenheit: Respekt vor der Natur und füreinander, ohne Hierarchien oder Druck. Es ist erfrischend, wie schnell man hier Freundschaften schließt – über Generationen und Hintergründe hinweg. Die Integration verlief schneller und reibungsloser, als ich es mir je vorgestellt hatte. Nach nur zwei Terminen hatte ich meine persönliche Leidenschaft im Umgang mit den Tieren entdeckt, und fühlte mich nicht mehr wie ein Gast, sondern als vollwertiges Mitglied. Die Vielfalt der Arbeiten hilft dabei: Man probiert aus, findet seine Stärken und wächst mit der Gruppe.
Fazit: Mitmachen lohnt sich!
Die Natur- und Landschaftspflegestation ist weit mehr als ein Ehrenamtsprojekt – sie ist eine lebendige Oase. Durch vielfältige körperliche Arbeiten, herzliche Menschen und eine rasante Integration bietet sie eine einzigartige Chance, aktiv zum Naturschutz beizutragen.
Bilder: René Delonge, NABU Rhein-Erft
(2026)