Frechen: Die Möwen haben Tradition

Möwe
Eine junge Möwe auf dem Martex-Gelände.

Möwen werden in der Regel mit Urlaub an der Küste verbunden. Aber auch in Frechen hört und sieht man eine der größten Möwenkolonie in NRW, wenn man entlang des Gewerbegebiets Europark in Frechen unterwegs ist. Zu sehen sind die Herings-, die Lach- und die Sturmmöwen. Vor über 50 Jahren wurden die Möwen von einer Kaffeerösterei angelockt, wo sie reichlich weggeworfene Kaffeebohnenschalen und Fruchtfleisch als Nahrungsquelle vorfanden. Über 500 Möwenpaare fanden sich jedes Jahr in Frechen ein, um auf dem ehemaligen Kaufhof-Areal zu brüten.

 

Das Kaufhofgebäude wurde 2023 abgerissen. Man hoffte, dass die Möwen auf die umliegenden Dächern ausweichen würden. Aber die Möwen sind stur und sie lieben Frechen. So sah man sie während der Abbrucharbeiten auf Baggern und auf mobile Toiletten sitzen. Von dem Investor Logicor wurden zwar Ersatzhabitate angelegt, die aber nicht angenommen wurden.

 

Der NABU Rhein-Erft e.V. begleitet die Situation seit dem Abriss der Kaufhof-Zentrallagerhallen. Denn nach § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es verboten wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören. Eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich dadurch der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert. Außerdem ist es verboten, Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten, zu denen auch die Möwen in Frechen gehören, aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.

 

Leider stellte der NABU durch intensive Beobachtungen eine reduzierte Möwenpopulation seit der Bauphase fest. Oft sah man nur noch 50 bis 100 Möwen. Das Gelände lag 2 Jahre brach und mittlerweile kann man durch den Zaun wieder eine große Schar Vögel auf dem Grundstück beobachten.

 

Der Presse ist zu entnehmen, dass am 1. Juli 2026 der Baustart erfolgen soll. Auch im Umfeld des fast 65.000 Quadratmeter großem Gelände ist sehr viel Veränderung. Rhenania Ost und West ist Baugebiet, auch der geplante Abriss des ehemaligen Just-Fit Gebäudes steht bevor. Die Situation ist für die Tiere sehr belastend, sie stehen ständig unter Stress.

 

Wünschenswert ist, dass Logicor wie in der Vergangenheit eng mit der Unteren Naturschutzbehörde und einer ökologischen Baubegleitung zusammenarbeitet. Der NABU fordert, dass die geplanten Neubauten, neben der geplanten Photovoltaik auf den Dächern auch Platz für die Möwen bietet um deren Artenbestand zu erhalten. Nur so kann ein Beitrag zum Fortbestand der Möwen und der Erhalt unserer Biodiversität geleistet werden.

Text: Ulla Koslowski-Demel, NABU Rhein-Erft Ortsgruppe Frechen

Bild: Benedikt Hillebrandt,  NABU Rhein-Erft Ortsgruppe Kerpen