
Am 4. März 2026 verstarb Dr. Wolfgang Rieve nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 92 Jahren. Er war 45 Jahre engagiertes Mitglied im NABU Rhein-Erft e.V.
Sein Schwerpunkt waren Pflege und Erhalt der alten Obstsorten. Bereits 1970 erwarb er im Eschweiler Bachtal eine Obstwiese, die er zu einem Obstmuseum entwickeln wollte. Weitere Flächen kamen im
Laufe der Jahre hinzu, darunter auch Pachtflächen des NABU in Bedburg und Umgebung. Zeitweise wurden von ihm und seinen Mitstreitern ca. 1.200 Bäume gepflegt. Neben Pflege, Erhalt und Neupflanzungen lag ihm viel daran, sein Fachwissen weiterzugeben, z.B. bei den seit Mitte der neunziger Jahre von ihm angebotenen Obstbaumschnittkursen. Bei anerkannten Pomologen wie Hans-Joachim Bannier, Jan Bode und Friedrich Renner bildete er sich weiter fort.
Noch während seiner aktiven Zeit als Internist in Bedburg (1977 – 2000) gründete er mit anderen Engagierten 1993 die FÖNO (Fördergemeinschaft naturnaher Obstwiesen und Weiden in der Eifel), um den Streuobstanbau auch finanziell lohnend zu machen. Der FÖNO-Apfelsaft wurde u.a. auch in einer großen Handelskette vertrieben. Leider hat dieser Verein sich vor einiger Zeit aufgelöst. Jedoch gibt es inzwischen nach diesem Vorbild viele Initiativen, die Direktsaft von Streuobstwiesen anbieten, darunter auch der NABU Rhein-Erft.
Legendär war sein großer Obstsortenstand u.a. bei den Obstwiesenfesten des NABU Rhein-Erft im Umweltzentrum Friesheimer Busch. An langen Tischen standen rund 100 Körbchen, jedes gefüllt mit einer anderen Apfelsorte. Dabei unterstützte ihn immer seine Frau Margret.
Folgerichtig war er auch aktiver Imker, denn ohne bestäubende Bienen keine Obsternte.
Wenn es um den Schutz von Umwelt und Natur ging, konnte er auch mal unbequem werden. Sehr kritisch betrachtete er die Gentechnologie, und zuletzt machte er im Dezember 2025 in der Lokalpresse von sich reden mit einer Aktion gegen weggeworfene Zigarettenkippen. Tausende hatte er in den letzten Monaten mit einem Greifer eingesammelt und präsentierte sie in großen Gläsern, um deutlich zu machen, dass jede Kippe mit den enthaltenen Giftstoffen unser Grundwasser verseucht. Diesen Einsatz würdigte posthum der zuständige Ausschuss der Stadt Bedburg und beantragte eine deutliche Erhöhung des betreffenden Bußgelds.
Dr. Wolfgang Rieve wurde für sein Engagement vom NABU geehrt 2005 mit der Bronzenen und 2011 mit der Silbernen Ehrennadel. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.
Text Gisela Wartenberg
Bild: NABU Rhein-Erft, Obstwiesenfest 2013
