Vögel im Rhein-Erft-Kreis

Die Feldlerche und das Lerchenfenster

Von Marion Jung

Feldlerche Bild: Dieter Commer
Feldlerche Bild: Dieter Commer

Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad im Feld unterwegs ist, der hat sicher schon einmal erlebt, dass aus dem Wegrand ein Vogel aufschreckt und unter pausenlosem Zwitschern senkrecht in den Himmel aufsteigt und singt und singt, scheinbar ohne Luft zu holen. Das ist die Feldlerche und wirklich gesehen hat man sie dann doch nicht. Der Gesang ist verbunden mit Sommer und schönem Wetter und freiem Feld und es ist immer ein schönes Erlebnis, wenn die Feldlerche so hoch oben, wo man sie kaum sehen kann, unentwegt zwitschert.

 

Es gibt sie noch im Rhein-Erft-Kreis. Ich kenne sie von Spaziergängen in den Feldern in Erftstadt vor allem zwischen Bliesheim, Friesheim und Ahrem. Früher gab es sie überall auf und über den Feldern und dann verschwand sie mehr und mehr und wurde seltener. Schon 1998 war die Feldlerche Vogel des Jahres, weil die Bestände zurückgingen und die Feldlerche die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit brauchte, um diese dramatische Entwicklung aufzuhalten. 

 

Früher und heute

 

Früh war deutlich, dass der Grund für den Rückgang der Feldlerche seit den 70er Jahren in den Veränderungen der Landwirtschaft zu suchen ist und es wurde in mehreren Studien zum Vogelschutz in der Europäischen Union untersucht, warum die Bestände zurückgehen. Dazu wurde der Lebensraum der Feldlerche als Bodenbrüter früher und heute verglichen. Feldlerchen brüten in erster Linie in Getreidefeldern. In früheren Zeiten wurde das Sommergetreide im Frühjahr ausgesät und im Spätsommer geerntet. Seit den 70ern wechselte man auf das ertragreichere und widerstandsfähigere Wintergetreide, dessen Pflanzen zur Brutzeit der Feldlerchen im Juni schon größer und dichter stehen als das Sommergetreide. Die Feldlerchen brauchen zum Brüten und zur Nahrungssuche spärlich bewachsene Flächen. Im aufwachsenden Wintergetreide bleibt ihnen zu wenig Lebensraum und oft nur eine Brut, bis das Wintergetreide zu dicht wird und die Felder mit Erntemaschinen befahren werden. Eine einzige Brut mit wenigen Jungen reicht zur Arterhaltung nicht aus. Die Feldlerchen, die den dichten Pflanzen ausweichen und ihre Nester in den Traktorspuren anlegen und dort mehr Platz finden, werden häufiger von Räubern aufgestöbert, weil diese ebenfalls die Traktorspuren zur Nahrungssuche nutzen. Das gleiche Problem wurde auch in den Randstreifen beobachtet: mehr Platz und auch mehr Räuber. In den Studien besteht Einigkeit darüber, dass die geringen Bruterfolge Ursache für den Rückgang der Feldlerchen sind. 

 

Lerchenfenster 

 

Die Feldlerchen brauchen in den Wintergetreidefeldern wieder einen Lebensraum. Dazu wurden versuchsweise Lerchenfenster angelegt. Das sind Flächen von ca. 20 Quadratmetern innerhalb eines Feldes, die nicht bewirtschaftet sondern freigehalten werden. Die Maschinen, die zur Bewirtschaftung eingesetzt werden, werden an diesen Stellen einfach angehoben und dahinter wieder abgesenkt. In den Lerchenfenstern siedeln sich Pflanzen an, die wiederum von Insekten genutzt werden. Feldlerchen legen ihre Nester nicht häufiger in diesen Lerchenfenstern an, sondern weiterhin im Wintergetreide und nutzen dabei die Lerchenfenster zum Landen, um von dort das gesammelte Futter zum Nest zu bringen. Wegstrecken von 10 m wurden beobachtet. Der Erfolg der Lerchenfenster besteht darin, dass die Feldlerchen im Umfeld des Nestes ein größeres Nahrungsangebot in den Lerchenfenstern vorfinden und durch den insgesamt günstigeren Lebensraum mehr Junge großziehen können. Es besteht bei der Zahl der aufgezogenen Jungen kein Unterschied, ob die Feldlerchen im Sommergetreide oder im Wintergetreide mit Lerchenfenstern brüten. In den Versuchsflächen hatten sich die Bestände gut erholt und in manchen Regionen sogar verdreifacht. 

2009 bis 2011 wurde vom NABU und vom Deutschen Bauernverband das Projekt „1000 Äcker für die Feldlerche“ durchgeführt. Nach erfolgreichem Abschluss werden die Maßnahmen von den Bundesländern fortgesetzt. Die Akzeptanz bei Landwirten ist grundsätzlich hoch, weil die Maßnahme so leicht umzusetzen ist. Die Teilnehmer erhalten einen finanziellen Ausgleich und ein Schild zur Aufstellung am Feld, auf dem über das Feldlerchenfenster informiert wird. Auch in Mais- und Rapsfeldern sollen die Auswirkungen von Schutzflächen innerhalb des Feldes auf die Artenvielfalt untersucht werden. 

 

Vogel des Jahres 2019

 

Weil noch viel mehr Landwirte gebraucht werden, um Lebensraum für die Feldlerche zurückzugewinnen und um den Fokus der Öffentlichkeit noch einmal auf die Feldlerche zu lenken, wurde sie für das Jahr 2019 wieder zum Vogel des Jahres bestimmt.