Insekten im Rhein-Erft-Kreis

Beobachtungen an einer Blattlaus-Kolonie auf Klatschmohn

Blattlaus
Bild 1 Kolonie der Schwarzen Bohnenlaus auf Klatschmohn mit Bewachung durch Ameisen Quelle: Peter Kott

Von Peter Kott

Aphis fabae SCOPOLI, 1763, die Schwarze Bohnenlaus, gehört zur Familie der Röhrenblattläuse (Aphididae). Bohnenblattläuse sind Pflanzensauger und sie nehmen sehr viele verschiedene Pflanzen als Wirte an, unter anderem auch Mohn. Die Tiere können geflügelt und ungeflügelt sein und sind zwischen 1,7 und 2,7 mm lang, matt schwarz bis dunkelgrün gefärbt. Die Fühler sind hell mit dunkler Spitze, die Schienen hellbraun und die Tarsen schwarz.

Auf einem verblühten Klatschmohn fand ich eine ganze Kolonie der Schwarzen Bohnenlaus auf dem Stängel und daneben auch auf der Mohnkapsel (Bild 1). Sie wurden von einer ganzen Gruppe von Ameisen bewacht. Beim genaueren Hinsehen fielen neben den Ameisen sehr kleine Hautflügler auf, die in aller Ruhe und völlig ungestört durch die Ameisen die Blattläuse intensiv mit den Fühlern prüften und dann gegebenenfalls anstachen, um ein Ei in ihnen abzulegen (Bild 2). Bei den Hautflüglern handelt es sich um Blattlaus-Schlupfwespen (Aphidiinae) aus der Familie der Brackwespen (Braconidae). Gut erkennbar auf Bild 2 ist ein wesentliches Merkmal der Blattlaus-Schlupfwespen: das 2. und 3. Hinterleibssegment sind gegeneinander beweglich, so dass die Tiere unter dem Vorderkörper hindurch die Hinterleibsspitze zwischen den Beinen weit nach vorne vorschieben und so die Blattläuse mit dem Legestachel anstechen können.

Blattlaus-Schlupfwespe
Bild 2 Eine Blattlaus-Schlupfwespe legt ihr Ei in eine Schwarze Bohnenlaus Quelle: Peter Kott

Die Larven der Blattlaus-Schlupfwespe entwickeln sich in der lebenden Blattlaus von deren Gewebe. Zuerst werden die nicht lebensnotwendigen Teile gefressen, dann die lebensnotwendigen und die Blattlaus verfärbt sich braun und bleibt reglos zwischen den anderen sitzen (Bild 3). Diese Tiere sind dick und aufgeblasen (Bild 4). Weil die Blattlaus-Schlupfwespen ihre Wirte töten, spricht man von Parasitoiden. Da sich die Larven innerhalb eines Wirtes entwickeln, handelt es sich um Endoparasitoide.

Wer in einem anderen, toten Insekt steckt, muss sich, um die Chitinhülle verlassen zu können, eine Ausschlupföffnung beißen. Für die Blattlaus-Schlupfwespen ist das kein Problem, denn sie haben beißende Mundwerkzeuge. Die so geschaffenen Öffnungen sind fast kreisrund und sie können an verschiedenen Stellen der Blattläuse auftreten, meist aber mitten auf dem Rücken (Bild 5). Die Blattlaus wird schließlich von einer jungen adulten Schlupfwespe verlassen.

Blattläuse
Bild 3 Zwischen den schwarzgrauen Blattläusen lassen sich sehr gut die von den Blattlaus-Schlupfwespen parasitierten hellbraunen Exemplare erkennen. Quelle: Peter Kott

Die zurückgebliebenen leeren Blattläuse bleiben weiterhin auf dem Untergrund gut befestigt bei Wind und Wetter auf dem Mohnstängel oder der Kapsel sitzen und das, obwohl manchmal die Beine schon zum größten Teil abgefallen sind. Schaut man genauer hin, so sieht man zwischen Bauch und Stängel eine dünne Übergangszone mit feinen Fäden, die beide Teile miteinander verbinden (Abb. 7). Die Laus hält sich also nicht selber fest. Wenn es einem gelingt, die Laus abzulösen, so entdeckt man, dass die Bauchhaut der Laus eine weite Öffnung hat, die mit einem Gespinst verschlossen ist. Es sieht so aus, als hätte die Schlupfwespenlarve vor dem Verpuppen die Öffnung im Bauch der Laus herausgebissen, um sie anschließend mit Spinnfäden zu verschließen (Bild 6) und damit die Laus am Untergrund festgeklebt. So ist gesichert, dass die tote Laus am Stängel bleibt und nicht irgendwohin verweht wird, wo ihr Schicksal ungewiss bliebe.

 

Quelle: NABU-Info 2021