Vögel im Rhein-Erft-Kreis

Der Vogel des Jahres 2017 :  Lautlose Jäger der Nacht – Der Waldkauz

Text: Quelle NABU mit Ergänzungen von Wilhelm von Dewitz, Michael Kuhn und Hermann Schmaus

Wann haben Sie zuletzt in der Nacht eine Eule rufen gehört? Viele Gegenden sind von Eulen verlassen, entweder weil sie keine Bruthöhlen finden oder das Nahrungsangebot nicht mehr ausreicht. Stellvertretend für alle Eulenarten hat der NABU für 2017 den Waldkauz zum Vogel des Jahres gewählt. Mit ihm soll für den Erhalt alter Bäume im Wald oder in Parks geworben werden und eine breite Öffentlichkeit für die Bedürfnisse höhlenbewohn-ender Tiere sensibilisiert werden. Eulen sind unverzichtbare Bestandteile der Artenvielfalt. Wir sollten alles dafür tun, sie zu schützen, ihre Bestände zu stabilisieren oder gar zu vermehren.

Foto: Udo Hürten
Foto: Udo Hürten

Waldkäuze sind lautlose Jäger der Nacht. Sie sehen und hören besonders gut, und finden so präzise ihre Beute. Typisch sind der große, runde Kopf und die schwarzen Augen. Der Waldkauz ist kräftig gebaut und hat einen relativ kurzen Schwanz.

 

Im Herbst und Winter ist der Ruf des Waldkauzes am meisten zu hören, denn dann ist Balzzeit und Partnerwahl.

Vor allem mit Jagdkünsten kann das Männchen überzeugen. Oft dauern die Paarbeziehungen lebenslang an.

Waldkäuze brüten nur einmal jährlich. Legebeginn ist dabei je nach Witterung im Februar oder März. In Städten sind sie früher dran – oft schon im Januar – im Wald dagegen später. Ist das Nahrungsangebot schlecht, kann die Brut in einem Jahr auch ausfallen. Das Weibchen brütet allein. Nur in den Brutpausen und zur Nahrungsübergabe kommt das Männchen hinzu.

 

Der Ruf des Männchens, ein schauriges „Huu huhuhu-hu“, diente schon oft zur Erzeugung von Gruselstimmung in Kriminalfilmen. Vor allem die Weibchen rufen scharf „kju-wick“ und bei Gefahr schnell „wick, wick-wick…“.

Der Waldkauz ist als strenger Wächter seiner Brut bekannt. Kreischend setzt er sich gegen Feinde zur Wehr, seine Gegenwehr erfolgt meist von hinten und ohne Vorwarnung. Lautlos nähert er sich Brutstörern im Flug, streift sie mit den Schwingen oder dem Körper und hinterlässt mit seinen Krallen teilweise blutende Wunden bei seinen Widersachern. Ihre Reviere verteidigen Waldkäuze ebenfalls sehr aggressiv gegen Rivalen – auch gegen andere Eulenarten.

 

Die Jungen wiegen nach dem Schlupf nur 28 Gramm. Noch blind, können sie sich bereits am zehnten Tag selbst aufsetzen und sechs Tage später stehen. Im Alter von etwa einem Monat verlassen die noch nicht flugfähigen Jungen das Nest und sitzen meist – scheinbar verlassen – auf Zweigen in Nestnähe. Sie werden dann Ästlinge genannt und geben ihre Position durch ständige heisere „Kszik“-Rufe kund. Zwei bis drei Wochen später sind sie flugfähig, werden aber erst mit drei Monaten selbstständig. Bis dahin kümmern sich die Eltern weiter um die Jungen. Zu Beginn der Herbstbalz werden sie dann aus dem elterlichen Revier vertrieben und müssen sich ein eigenes suchen.

 

Auf dem Speiseplan unseres Jahresvogels stehen vorwiegend kleine Säugetiere und Vögel, neben Maulwürfen, Ratten oder Jungkaninchen, vor allem Mäuse. Sind diese Kleinsäuger nicht zu haben, weichen Waldkäuze auf Vögel aus. Auch wenn sein Name anderes vermuten lässt, ist der Waldkauz keinesfalls nur im Wald zu Hause, obwohl er sich in lichten Laub- und Mischwäldern am wohlsten fühlt. Als ideal gilt ein Lebensraum mit einem Waldanteil von 40 bis 80 Prozent, dazu Lichtungen und angrenzende Felder. Längst ist er daher auch in städtischen Parkanlagen, Gärten oder auf Friedhöfen mit altem Baumbestand und geeigneten Bruthöhlen zuhause. Dabei kommt er uns Menschen recht nah, wenn er auch eher zu hören als zu sehen ist. Tagsüber versteckt er sich in Höhlen oder in dichten Baumkronen. Die Anpassungsfähigkeit bei der Wahl des Lebensraumes trägt dazu bei, dass der Waldkauz die häufigste Eule in Deutschland ist. Der Bestand des Waldkauzes in Deutschland beträgt laut dem Atlas deutscher Brutvogelarten 43.000 bis 75.000 Brutpaare und wird langfristig als stabil eingeschätzt.

Die Ornithologen des NABU Rhein-Erft, Wilhelm von Dewitz, Michael Kuhn und Hermann Schmaus bestätigen, dass der Waldkauz im Rhein-Erft-Kreis ein regelmäßiger Brutvogel ist. Er kommt regelmäßig in der Rekultivierung (Südrevier), den Wäldern und Parkanlagen (Schlosspark Brühl) vor. Korrekte Bestandszahlen können für diese Art für den Rhein-Erft-Kreis nicht genannt werden, da die Erfassung dieser Art methodisch äußerst schwierig ist und daher nur grob geschätzt werden können. Auch für den Kreis wird der Bestand des Waldkauzes bisher als stabil und nicht gefährdet angesehen.

 

Auswertungen von Funden toter Waldkäuze zeigen, dass Kollisionen mit künstlichen Hindernissen verschiedener Art fast zwei Drittel aller Todesfälle ausmachen. Kollisionen mit herannahenden Autos sind die größten Gefahren. Weitere Gefahrenquellen sind Zäune, Stromleitungen und Bahntrassen, deren dünne Drähte die Vögel im nächtlichen Flug nicht rechtzeitig erkennen können. Waldkäuze verunglücken zudem recht häufig auf der Suche nach geeigneten Brut- und Schlafhöhlen in engen glattwandigen Kaminen und Lüftungsschächten, aus denen sie nicht mehr entkommen können.

 

Der für die Arterhaltung entscheidende Bruterfolg hängt jedoch vor allem von der Qualität des Lebensraums im Revier ab. Für den Schutz des Waldkauzes gilt es in erster Linie, höhlenreiche Altholzbestände sowie bekannte Brutbäume zu erhalten und zu fördern – sowohl im Wald als auch in Parks und Gärten. Der NABU fordert daher „Urwälder von morgen“: Mindestens fünf Prozent der deutschen Waldfläche sollen bis 2020 komplett nutzungsfrei bleiben.

 

Werden die verbleibenden Flächen naturnah bewirtschaftet, findet unser Jahresvogel beste Bedingungen. Erhaltenes Totholz sichert ihm Nahrung und Versteck. Nicht abgeholzte, alte Bäume sind ideale Brutplätze für den Nachwuchs. Gerade in großen Wäldern der zahlreichen EU-Vogelschutzgebiete sollten entsprechende Maßnahmen gefördert werden. Alte Höhlenbäume in Siedlungen müssen vor der übertriebenen Umsetzung der Verkehrs-sicherungspflicht geschützt werden.

 

Mit geeigneten Nistkästen kann die Zahl der Brutpaare in einem Gebiet stark erhöht werden. Auch der Verzicht auf Mäusegifte (Rodentizide) und andere Umweltgifte in Gärten und im öffentlichen Grün hilft unserem Jahresvogel. Außerdem muss die offene Ausbringung von Mäusegift im Wald und in der Agrarlandschaft weiterhin verboten werden.

 

Um menschenverursachte Verluste zu reduzieren, sind Leitungsdrähte in der Landschaft effektiv zu markieren. Oft können Kabel stattdessen in der Erde verlegt werden. An besonders kritischen Straßenabschnitten empfiehlt sich die Errichtung von Ansitzwarten in sicherem Abstand vom gefährlichen Straßenverkehr. Hausbesitzer sollten Kamine und Schächte durch Schutzgitter entschärfen.