Blühstreifen / Ackerrandstreifen - bedeutend für den

Erhalt und Förderung der Artenvielfalt

von Hans Wilhelm Horn

Foto Matthias Schindler

 

Immer wieder hören wir Beschwerden über die zunehmende Anzahl von Krähen und Elstern in den Siedlungen. Nachweislich haben aber beide Arten nicht zugenommen. Sie haben wie auch andere Tiere ihren Lebensraum weitgehend in die Siedlungen verlegt, weil die Lebensbedingungen in der offenen Landschaft schlechter geworden sind.

 

 

Tiere, die nicht in die Siedlungen ausweichen können, drohen auszusterben. So sind 43% aller Brutvögel und 45% aller Schmetterlingsarten in ihrem Bestand gefährdet. Insekten sind von dieser Entwicklung besonders stark betroffen. Die meisten Insektenraupen, insbesondere die der Schmetterlinge sind auf spezielle Pflanzenarten angewiesen. Sind diese Pflanzen nicht vorhanden, ist eine Vermehrung nicht möglich und die Art stirbt örtlich aus. Von Insekten leben aber sehr viele Vögel und Fledermäuse. Ohne ausreichende Insektennahrung gibt es daher auch weniger Vögel. Aus diesem Grund sind Vögel wichtige Indikatoren für den Zustand der Umwelt. Bedingt durch die intensive Landwirtschaft sind durch den Mangel an Biotopen auch die Bestände an Wildbienen stark rückläufig. Wildbienen sind aber neben anderen Insekten für die Bestäubung von Obstbäumen erforderlich.

Foto Uwe Heller

 

 

Feldraine und Ackerrandstreifen mit blühenden Feldblumen sind selten geworden. Sie sind der intensiven Landwirtschaft zum Opfer gefallen. Um die Artenvielfalt weitgehend zu erhalten bzw. wieder herzustellen, ist die Anlage von Streifen oder Flächen mit artenreichem Pflanzenwuchs erforderlich. Die EU halt hierzu bereits Weichen gestellt, indem sie jeden landwirtschaftlichen Betrieb verpflichtet, ab dem Jahr 2015 fünf Prozent seiner Ackerfläche als ökologische Vorrangfläche auszuweisen.

 

Das Ansäen von Blühstreifen, die eine Breite von mindestens 6 Metern aufweisen sollen, erfolgt mit autochthonem Saatgut (Saatgut aus der jeweiligen Gegend). Auf dem Gebiet der Stadt Kerpen hat der Landwirt Manfred Riesen aus Sindorf Blühstreifen nicht an den Feldrändern, sondern in den Feldern angelegt, ähnlich den bekannten Lerchenfenstern. Störungen sind somit weitgehend ausgeschlossen, so dass auch Wiesenvögel eine Möglichkeit zur Brut finden. Dass diese Flächen nicht mit Insektiziden und Herbiziden behandelt werden, braucht wohl nicht besonders erwähnt zu werden.

 

Der Umweltausschuss der Stadt Kerpen hat gemeinsam mit der O.G. Kerpen des Kreisverbandes NABU Rhein-Erft unter Leitung der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft im Kerpener Marienfeld zwei Blumenwiesen angesät, die auch bewirtschaftet werden. Eine Düngung erfolgte bisher nicht, sie werden sich selbst überlassen und sehen in jedem Jahr anders aus.

Die Initiative „Blühstreifen“ wird im Rhein-Erft-Kreis von der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft, der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft und der Landwirtschaftskammer betreut. Der NABU Rhein-Erft setzt sich für die Initiative ein und sucht das Gespräch mit interessierten Landwirten.