Tu was, lern was und hab Spaß dabei – Ferienwerkstätten im Umweltzentrum Friesheimer Busch – eine Erfolgsgeschichte

Von Gisela Wartenberg

Kreativwerkstatt Bild: Birgit Schleicher
Kreativwerkstatt Bild: Birgit Schleicher

Alles fing damit an, dass Birgit Schleicher ab 2007 im Umweltzentrum Friesheimer Busch eine „Kreativwerkstatt“ für Kinder von acht bis zwölf Jahren während der Sommer- und Herbstferien anbot. Drei Tage lang wurde gesponnen, gefilzt, mit Pflanzenfarben und anderen natürlichen Rohstoffen Wolle gefärbt und Papier geschöpft und alles zu kleinen Kunstwerken verarbeitet. Zur Auflockerung erzählte Birgit Schleicher Geschichten und Märchen, und zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls wurde gemeinsam gekocht.

Als Birgit Schleicher nach fünf Jahren das nicht mehr fortführen konnte, war die Frage: Wer macht das weiter? Das Angebot einfach weiterzuführen, war nicht möglich, da damals keiner über ihr umfassendes Wissen und ihre Fertigkeiten verfügte.

 

Wiesenwerkstatt Bild: Steffi Krieg
Wiesenwerkstatt Bild: Steffi Krieg

Warum also nicht etwas ganz anderes? So entstand die Idee zur „Wiesenwerkstatt“ und zur „Erntewerkstatt“. Parallel dazu bot der Umwelt- und Naturschutzkreis Erftstadt (UNKE), Vorgänger des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND), seit einigen Jahren zweimal in den Sommerferien die „Solarwerkstatt“ an, einen Workshop zum Thema „erneuerbare Energien“, dessen Highlight jeweils das Rennen der selbst gebastelten Solarautos war.

Die Werkstätten dauerten jeweils von Dienstag bis Donnerstag. Bald fragten Eltern, warum wir nicht eine ganze Woche anbieten würden und obwohl - nach den drei Tagen, die zwar viel Spaß mit bis zu 15 quirligen Kindern machen - die Betreuer auch recht geschafft sind, entstand die Idee, die „Wiesenwerkstatt“ und die „Solarwerkstatt“ von Montag bis Mittwoch durch eine „Bienenwerkstatt“ des Imkervereins am Donnerstag und Freitag zu ergänzen. An die zweite „Solarwerkstatt“ und die „Erntewerkstatt“ wurde die „Bodenwerkstatt“ angehängt.

Oft mussten Kinder abgewiesen werden, weil es keine Plätze mehr gab. Neue Angebote waren gefragt. Die zweitägige „Schneckenwerkstatt“ in den Osterferien wird inzwischen durch die „Indianerwerkstatt“ zu einer weiteren Naturerlebniswoche vervollständigt, und 2018 kamen zwei neue „Werkstätten“ hinzu: die „Sternenwerkstatt“ und der „Tonworkshop“. Erfolgreiche Modelle regen nun mal auch andere Kreative an. So soll es sein! Nimmt man noch die dreiwöchige Ferienfreizeit „Ferien zu Hause“ dazu, konnten 2018 fast während der gesamten Ferien Kinder die Natur im weitesten Sinne auf dem weitläufigen Gelände des Umweltzentrums erleben.

 

Erntewerkstatt Bild: Gaby Tatar
Erntewerkstatt Bild: Gaby Tatar

Besonders die Angebote des „Naturschutzbund Deutschland im Rhein-Erft-Kreis e. V. (NABU)“ sind stark naturbetont. Bei der „Schneckenwerkstatt“ 2018 machte uns die Natur sogar einen Strich durch die Rechnung, weil wegen der langen Frostperiode die Schnecken fast alle noch in ihren Winterverstecken waren. Als „Wiesenforscher“ lernen die Kinder, dass die geflügelte Braunwurz nicht fliegt, wohl aber die blauflüglige Ödlandschrecke, dass „Butterblume“ eine wenig korrekte Bezeichnung für gelbe Blumen ist, die viel schönere Namen haben, z. B. „Löwenzahn“ oder „Hahnenfuß“, dass allein im Umweltzentrum Friesheimer Busch drei verschiedene Arten Glockenblumen blühen, dass die vielen Blütenpflanzen für eine große Insektenvielfalt sorgen. Der Vormittag im Naturschutzgebiet ist immer wieder spannend. Auch die Betreuer können nur ahnen, was die Kinder alles entdecken werden. Da ist es nicht weit zu der Frage: „Was kann ich selbst tun, um zur Naturvielfalt beizutragen?“ 2018 war es z. B. ein großes Insektenhotel als Gemeinschaftsarbeit, das nun die Naturschutzjugend-Hütte (NAJU-Hütte) ziert.

Der „NABUnte Garten“ spielt dabei immer eine Rolle, im Sommer als Beispiel für Artenvielfalt und Blütenreichtum und als Lieferant für unser Rohkostbüffet. Im Herbst zur Erntewerkstatt natürlich noch mehr. Möhren, Porree, Kohlrabi, Tomaten und anderes werden verarbeitet, und dann natürlich das Obst vom „NABU-Obstbaumlehrpfad“ im Umweltzentrum. Allein wie viele Apfelsorten es gibt und wie vielfältig man Äpfel nutzen kann, ist vielen nicht bekannt: Dörren, Mus kochen, Saft pressen und daraus u. a. Gelees kochen. Auch Gabi Tatars Apfeltee ist immer wieder sehr gefragt.

Bleibt die Frage: was tun mit giftigen oder nicht genießbaren Pflanzen und Früchten? Stehen - bzw. hängen lassen für die Tiere ist immer gut, aber viele sehen ja auch wirklich schön aus! Mandalas gestalten, Herbstgestecke zusammenstellen bringen viel Spaß, und die Gestecke darf man auch mitnehmen. Für die NAJU-Hütte bleibt auch eine Erinnerung: ein prächtiger Herbstfrüchtetürkranz.

Und bei allen verschiedenen NABU-Werkstätten bleiben die Erinnerungen an die leckeren zum Teil selbst gekochten Mahlzeiten, die Spielpausen, die Erkundungsgänge und die Zeit am Lagerfeuer mit Stockbrot. 

Neugierig geworden? Dann schaut mal unter „Ferienwerkstätten für Kinder“, wann was angeboten wird. Wir freuen uns auf euch! (NABU Info 2019)