NABU + LBV: Habicht ist Vogel des Jahres 2015

Illegale Verfolgung bedroht den Greifvogel – Nordrhein-Westfalen bisher einziges Bundesland mit einer Stabstelle Umweltkriminalität zur Bekämpfung der Greifvogelverfolgung - übrige Bundesländer müssen reagieren

 

Pressebericht des NABU NRW

Berlin/Düsseldorf –  Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), haben den Habicht (Accipter gentilis) zum „Vogel des Jahres 2015“ gewählt. Auf den Grünspecht, Vogel des Jahres 2014, folgt damit ein Greifvogel, der wie viele andere seiner Verwandten immer noch der illegalen Verfolgung ausgesetzt ist, obwohl die Jagd auf den Habicht seit den 1970er Jahren verboten ist.

„Illegal abgeschossene, vergiftete oder gefangene Habichte sind nach wie vor trauriger Alltag. Es gibt immer noch einzelne Jäger, die ihn als Konkurrenten bei der Jagd auf Hasen und Fasane sehen“, sagte Bernd Jellinghaus, Sprecher des LFA Ornithologie und Vogelschutz im NABU NRW. Aber auch bei Geflügel- und Taubenzüchtern sei der Habicht besonders unbeliebt. „Zwar holt sich der Habicht auch mal ein Haushuhn oder eine Reisetaube, Hauptnahrung sind aber die wild lebenden Ringel- oder Stadttauben sowie Krähen, von denen es ausreichend viele gibt“, so Jellinghaus weiter. Daher entwickele sich der Habicht in vielen Gegenden zunehmend vom scheuen Waldbewohner zum Nachbarn in städtischen Parks und Friedhöfen. In der Stadt sei das Nahrungsangebot das ganze Jahr über gesichert.

Nach aktuellen Erfassungen leben in Deutschland 11.500 bis 16.500 Brutpaare. Davon brüten in Nordrhein-Westfalen 1500 – 2000 Habichtpaare. Neben Niedersachsen erreicht der Habicht in Nordrhein-Westfalen bundesweit die höchsten Siedlungsdichten.


Die Bestände sind in Deutschland derzeit zwar nicht flächendeckend gefährdet, allerdings sind die Bestandszahlen in NRW rückläufig. Rückgänge werden dabei besonders im Tiefland beobachtet, in den waldreichen Mittelgebirgen nimmt die Zahl  ......der  Reviere dagegen zu.

Diese regionalen Rückgänge lassen sich kaum mit dem Verlust von Brutplätzen oder dem Mangel an Beutetieren erklären, korrelieren nach einer Untersuchung des Komitees gegen den Vogelmord aber mit der Verteilung der Niederwildreviere.

 „Illegale Greifvogelverfolgung ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die konsequent verfolgt werden muss“, erklärte Heinz Kowalski, stellvertretender Vorsitzender des NABU NRW. Vorbildlich geschehe dies seit beinah 10 Jahren in Nordrhein-Westfalen. Seit 2005 widme sich hier die Stabsstelle zur Bekämpfung von Umweltkriminalität unter anderem der Eindämmung illegaler Greifvogelverfolgung. Die im Umweltministerium angesiedelte Einrichtung arbeite intensiv mit den Polizeibehörden zusammen, um eine konsequente Strafverfolgung zu ermöglichen. NABU und LBV forderten die übrigen Bundesländer daher auf, diesem Beispiel zu folgen und speziell geschulte Einheiten und Koordinationsstellen bei der Polizei und den Naturschutzbehörden der Länder einzurichten.

Obwohl alle Greifvogelarten seit den 70er Jahren unter strengem Schutz stehen, werden alljährlich zahlreiche Fälle von illegaler Verfolgung der Stabstelle Umweltkriminalität bekannt. In den letzten Jahren wurde sogar eine kontinuierliche Zunahme der gemeldeten Fälle von Greifvogelverfolgung festgestellt. So sind in den Jahren 2005 bis 2013 allein in NRW mehr als 400 Fälle dokumentiert, bei denen insgesamt 700 Greifvögel und Eulen gefangen, verletzt oder getötet wurden. Trauriger Rekordhalter ist der Mäusebussard mit 467 getöteten Individuen, gefolgt vom Habicht mit 74 Opfern illegaler Verfolgung.

NABU und LBV sprechen sich deshalb dafür aus, neben der Benutzung auch den bislang erlaubten Verkauf von Habichtfangkörben zu verbieten. In der Umgebung von Greifvogelnestern müssten Horstschutzzonen eingerichtet werden, in denen Forstwirtschaft und Jagd vor allem während der Brutzeit zwischen März und Juni ruhen sollten. Das Aushorsten von jungen Habichten in freier Natur für die Falknerei dürfe nicht mehr – auch nicht in Ausnahmefällen – genehmigt werden.

NABU und LBV haben als Signal gegen die illegale Greifvogelverfolgung gemeinsam mit dem Komitee gegen den Vogelmord eine bundesweite Meldeaktion gestartet. Aktuell aufgestellte Fallen, vergiftete oder angeschossene Greifvögel in Nordrhein-Westfalen sollten dabei an die bekannten Meldestellen weitergegeben werden:

Stabsstelle Umweltkriminalität
Ministerium für Klimaschutz, Umweltschutz, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Telefon 0211/4566-473 oder -407, stabuk@mkulnv.nrw.de

Komitee gegen den Vogelmord e.V.
Telefon 0228/665521, axel.hirschfeld@komitee.de

NABU Landesverband NRW
Telefon 0211/159251-10, info@NABU-NRW.de

 

Für Rückfragen:

Bernd Jellinghaus,
Sprecher LFA Ornithologie+Vogelschutz im NABU NRW, mobil: 0175 4531628 /
Heinz Kowalski,
stellv. Landesvorsitzender, mobil: 0160 8856 396

Weitere Infos zum Vogel des Jahres in Nordrhein-Westfalen unter  www.NABU-NRW.de oder bundesweit auf www.Vogel-des-Jahres.de / Pressefotos zum Vogel des Jahres unter www.NABU.de/presse/fotos/#vogeldesjahres, / Tonaufnahmen und Videomaterial unter www.NABU.de/presse/filmmaterial.

Die Farbbroschüre „Vogel des Jahres 2015 - Der Habicht“ (Art.Nr.: 1975), DIN A5, 36 Seiten  gibt es im NABU-Natur-Shop, info@NABU-Natur-Shop.de, Tel. 0511-711 099 98 oder unter www.NABU.de/infomaterial  sowie im LBV-Natur-Shop unter www.lbv.de oder www.lbv-shop.de

Der aktuelle Leitfaden „Illegale Greifvogelverfolgung - Erkennen, Bekämpfen, Verhindern“  für Nordrhein-Westfalen, steht unter www.NABU-NRW.de/themen/jagd/greifvoegel/verfolgung/ als pdf zum Download bereit. Die gedruckte Broschüre kann über o.g. Bezugsquellen bestellt werden.

 

Mehr Infos: www.nrw.nabu.de/themen/jagd/greifvoegel/verfolgung/

Foto: NABU/ NABU_Habicht_4_R_Roessner-Ausschnitt