Im Gebiet des Rhein-Erft-Kreises waren in den 1950er Jahren nur wenige natürliche Brutplätze vorhanden. Das lag an den naturfern ausgebauten Fließgewässern und am Nahrungsmangel infolge der Gewässerverschmutzung. Schon ab 1860 war die Erft zwischen Gymnich und Grevenbroich ausgebaut und begradigt worden. Steilufer in den Windungen des Flusses gingen dabei verloren. Durch die  Abwassereinigung in den Kläranlagen hat sich die Wasserqualität wesentlich verbessert. Letzte unverbaute Ufer der Erft-Nebenläufe konnten erhalten werden. Bis zum Jahre 2004 wurden nicht mehr als neun natürliche Brutplatz-Standorte des Eisvogels im gesamten Rhein-Erft-Kreis ermittelt. Schon 1973 wurde der Eisvogel vom Deutschen Bund für Vogel-schutz DBV (heute NABU) als Vogel des Jahres, nach Wanderfalke 1971 und Steinkauz 1972 benannt, weil man auf die gravierende  Abnahme seines Bestandes hinweisen und die Zerstörung seines Lebensraumes anprangern wollte. Es wurden Hilfsmaßnahmen diskutiert und gefordert.  Etwa wie den Bau künstlicher Nisthilfen mit dem „Mündener Eisvogel-Nistblock“. Wegen des großen Aufwandes an Material und Arbeitszeit hatte diese Aktion wenig Erfolg. Erst ab dem Jahr 2000 haben die Mitglieder des NABU Rhein-Erft eine Konstruktion gefunden, die weniger aufwendig war und die vom Eisvogel sofort als Brutplatz angenommen wurde. Vermehrt wurden künstliche Nisthilfen nun auch an den Ville-Seen gebaut, die alle einen geeigneten Fischbestand und Ansitzwarten aufweisen. Mit dem Bau von 23 künstlichen Brutplätzen ist die Aktion erfolgreich abgeschlossen.

 

Aktuell gibt es heute im Rhein-Erft-Kreis 36 potentielle Brutplätze, davon 13 natürliche und 23 künstliche. Nicht alle wurden bisher angenommen. Der höchste Bestand mit 26 Brutpaaren wurde im Jahr 2014 gezählt, der niedrigste im Jahre 2006 mit nur sechs Brutpaaren. In der abgebildeten Grafik ist aus der Ganglinie für den Bereich zwischen Erftstadt und Bergheim erkennbar, dass lange kalte Winter den Eisvogelbestand erheblich dezimieren, wie die Winter 2005/06 und 2008/09 bis 2011/12 zeigen. Es heißt: Lange Eiswinter sind des Eisvogels Tod. Erstaunlich wie sich der Eisvogelbestand nach zwei bis drei Jahren wieder erholt. Ohne erkennbare Auswirkungen sind die kalten Winter auf den Eisvogelbestand für den Bereich zwischen Bergheim und Bedburg, da hier durch die Einleitung von warmen Sümpfungswasser aus dem Tagebau Hambach die Wassertemperatur der Erft nicht unter 12 C° sinkt. Dieses gute Nahrungsrevier wird von der örtlichen Population gegen nahrungssuchende Konkurrenten auch energisch verteidigt.


 

Die guten Brutergebnisse des Jahres 2014 waren Anlass für die NABU Ortsgruppe Brühl sich auf dem städtischen Agenda-Markt am 13. September mit einer Schautafel über die Nisthilfen für den Eisvogel zu präsentieren.

Eisvogel-Brutpaare im Rhein-Erft-Kreis, Ganglinie für die Jahre 2000 bis 2014  (W. von Dewitz)