Biologische Station & Ehrenamtler gemeinsam

für den Feldvogeschutz im Rhein-Erft-Kreis

von Matthias Schindler, Bernhard Arnold 2015

Seit der Einrichtung der Zweigstelle der Biologischen Station Bonn / Rhein-Erft wurden die Aktivitäten im Feldvogelschutz im Kreisgebiet erheblich intensiviert. Wie bereits im NABU-Info 2013 dargestellt, verfolgt die Biologische Station hierbei ein  „zweigleisiges“ Konzept. Neben der Fortführung und Ausweitung des Monitorings der Bestände der Feldvögel sollen vor allem in den Verbreitungszentren der Grauammer Artenschutzmaßnahmen mit Landwirten durchgeführt werden.

 

Ohne das Engagement vieler Ehrenamtler wäre es nicht möglich, Feldvogelkartierungen in der Fläche des Rhein-Erft-Kreises durchzuführen. Um die Tätigkeit aller Kartierer zu koordinieren und die methodische Vorgehensweise anzugleichen, lädt die Biologische Station Bonn / Rhein-Erft zweimal im Jahr zu einem Erfahrungsaustausch ein.

Grauammer - Dr. M.Schindler
Grauammer - Dr. M.Schindler

Bei den Wintertreffen im Dezember werden aktuelle Ergebnisse vorgestellt während beim Frühjahrstreffen Anfang März die Kartiersaison vorbereitet wird. Den Kartierern werden DINA3-Kartengrundlagen zur Verfügung gestellt, damit die Ergebnisse möglichst exakt dokumentiert werden können. In den letzten Jahren wurde die Biologische Station Bonn / Rhein-Erft bei der Durchführung dieser Veranstaltungen außerdem von Kollegen der benachbarten Biologischen Stationen unterstützt. So hat zum Beispiel die Biologische Station Düren federführend ein LVR-Projekt zum Schutz der Grauammer durchgeführt, dessen Ergebnisse im Rahmen unserer Treffen auf großes Interesse stießen.

 

Beim Feldvogelmonitoring steht insbesondere die Grauammer im Fokus, da dieser Feldvogel im Rhein-Erft-Kreis und den angrenzenden Kreisgebieten das letzte größere Vorkommen in Nordrhein-Westfalen hat. Bereits seit 2012 werden die alten Fundpunkte der Grauammer im Rhein-Erft-Kreis überprüft und die Verbreitungskarte für den Rhein-

Erft-Kreis aktualisiert. Die Erfassungen ergaben bislang, dass ehemalige Verbreitungsschwerpunkte weitgehend mit den heutigen übereinstimmen. Wie bereits im NABU-Info 2013 dargestellt, wird aber befürchtet, dass die Grauammerbestände auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau stagnieren. Langjährige Erhebungen von Herrn Michael Kuhn für das Messtischblatt Erp dokumentieren einen Rückgang von 259 Grauammern in den Jahren 1993-96 auf nur noch 38 Tiere im Jahr 2010. Die Kartierungsergebnisse der letzten Jahre belegen Brutreviere zwischen Borr und Friesheim, nördlich von Erp, westlich von Gymnich und westlich von Lechenich. Im Nordkreis befinden sich Brutvorkommen im Bereich der Königshovener Hochfläche und den angrenzenden neueren Rekultivierungsflächen des Tagebaus Garzweiler I. Letztere Gebiete werden vor allem von Herrn Hermann Schmaus regelmäßig beobachtet. Die generelle Entwicklung der Grauammerbestände in Nordrhein-Westfalen (Fels et al. 2014) und die Ergebnisse des LVR-Projektes der Biologischen Station Düren (Schieweling et al. 2014) zeigen, dass die Grauammervorkommen im Rhein-Erft-Kreis nur durch umfassende und flächenscharfe Maßnahmen in den Vorkommensgebieten erhalten werden können.

 

Unter den Feldvögeln weist neben der Grauammer vor allem der Kiebitz dramatische Bestandsrückgänge auf. Die aktuellen Kartierungsergebnisse deuten darauf hin, dass Kiebitze im Rhein-Erft-Kreis nur noch in wenigen Gebieten brüten. Bei stichprobenartigen Erfassungen konnten noch Kiebitzbruten östlich von Brauweiler, im Bereich Kerpen-Sindorf und im südlichen Rhein-Erft-Kreis bei Lechenich und Niederberg beobachtet werden. Bei einer Befragung von Landwirten auf einem Feldtag in Buir ergaben sich nur wenige weitere Hinweise auf aktuelle Vorkommen im Rhein-Erft-Kreis. In den Gesprächen wurde aber deutlich, dass Kiebitze ursprünglich auf den Ackerflächen im Rhein-Erft-Kreis verbreitet waren. Obwohl die Bedingungen zumindest während der Brutperiode 2014 günstig waren, wird befürchtet das Kiebitze meist zu wenig Jungtiere großziehen, um die Populationen mittelfristig halten zu können.

 

Insgesamt belegen die aktuellen Zahlen aus dem Bericht über die Brutvögel Deutschlands (Sudfeldt  et al 2013) auch für viele andere Vogelarten der Feldflur, wie zum Beispiel Feldlerche, Goldammer und Bluthänfling, erhebliche Bestandsrückgänge. Eine sehr gelungene Zusammenstellung der Situation in Nordrhein-Westfalen wurden mit dem Buch „Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens“ (Grüneberg et al. 2013) veröffentlicht. Die in diesem Buch abgedruckten Karten mit Darstellung der Brutverbreitung und Veränderung der Bestände auf Basis von Viertelquadranten der Messtischblätter können auch im gleichnamigen Online-Atlas eingesehen werden (atlas.nw.ornithologen.de).

 

Bei der Durchführung von Maßnahmen zum Schutz von Feldvögeln im Rhein-Erft-Kreis konnten zumindest kleine Fortschritte erzielt werden. Die Biologische Station Bonn / Rhein-Erft konnte 2013 im südlichen Kreisgebiet einen neuen Landwirt für die Aussaat einjähriger Blühstreifen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes dazu gewinnen. Insgesamt war die Resonanz auf solche Maßnahmen bislang allerdings sehr gering. Die Gesamtsituation wurde stark durch die nochmalige Verzögerung beim Beginn der neuen Förderperiode und die große Unsicherheit bei den Landwirten bezüglich der Anforderungen im Rahmen des „Greenings“ geprägt. In 2014 konnten mit finanziellen Mitteln des Rhein-Erft-Kreises erfreulicherweise einige Einjahresverträge für Blühstreifen abgeschlossen werden. Wir erhoffen uns, dass eine Zusammenarbeit mit diesen Landwirten auch im Rahmen der neuen Förderperiode im Vertragsnaturschutz möglich ist und weitere Landwirte für den Feldvogelschutz hinzugewonnen werden können. Ansprechpartner bei Biologischen Station Bonn / Rhein-Erft e.V. für den Vertragsnaturschutz im Rhein-Erft-Kreis sind Dr. Bernhard Arnold (b.arnold@biostation-bonn-rheinerft.de) und Dr. Matthias Schindler (m.schindler@biostation-bonn-rheinerft.de).

 

 

Fels, B., R. Joest, M. Jöbges & P. Herkenrath (2014): Die Grauammer Emberiza calandra in Nordrhein-Westfalen — bald nur noch eine Erinnerung? Charadrius 50: 61 - 74.

 

Grüneberg, C., S. R. Sudmann sowie J. Weiss, M. Jöbges, H. König, V. Laske, M. Schmitz & A. Skibbe 2012: Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens, NWO & LANUV (Hrsg.), LWL-Museum für Naturkunde, Münster. 480 S.

 

Schieweling, A., J. Janssen, K. Friedrichs & L. Dalbeck (2014): Hat die Grauammer Emberiza calandra in der Rheinischen Börde noch eine Chance? Charadrius 50: 75 - 79.

 

Sudfeldt, C., R. Dröschmeister, W. Frederking, K. Gedeon, B. Gerlach, C. Grüneberg, J. Karthäuser, T. Langgemach, B. Schuster, S. Trautmann & J. Wahl (2013): Vögel in Deutschland – 2013. DDA, BfN, LAG VSW, Münster.