CCS: Was ist das?
... und kann uns diese Technologie vor dem Klimakollaps bewahren?
Von Helmut Spahn
"CCS" ist das Kürzel für den Begriff "Carbon Capture and Storage". Mit diesem Begriff bezeichnet man die Abtrennung von Kohlendioxid (CO2) aus Rauchgas- oder Brenngasströmen und dessen langfristige Verwahrung in geeigneten Lagerstätten.
Die Kohleverstromungskonzerne behaupten, mit dieser Technologie die extreme Klimaschädlichkeit der Kohleverstromung vermindern zu wollen.
Wir erinnern uns: Die globale Erwärmung wurde von uns Menschen durch das Freisetzen immenser Mengen an CO2 in Gang gesetzt. Die Erhöhung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre verstärkt den Treibhauseffekt und lässt dadurch die Durchschnittstemperatur auf der Erde ansteigen. Für uns Naturschützer ganz wichtig: Die schon jetzt nicht mehr aufhaltbare Erwärmung um mindestens 2°C führt zu einem Aussterben von 30% aller Arten.
Wissenschaftler des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) haben vor einigen Jahren ermittelt, dass zur Einhaltung der 2°-Obergrenze die CO2-Emission in den Industrieländern bis zur Mitte des Jahrhunderts um 80% zu reduzieren ist. Jetzt ist allerdings schon erkennbar, dass dieser Wert auf mindestens 90% gesetzt werden muss, da die internationale Politik zwischenzeitlich im Nichtstun verharrt ist.
Das bedeutet natürlich dann auch für die Verstromung der Kohle den CO2-Ausstoss bis zum Jahr 2050 um 90% zurück zu fahren. Da bei der Verbrennung von Kohle nun aber riesige Mengen an CO2 entstehen, bleibt nur die Möglichkeit, das Klimagas beim Verbrennungsprozess einzufangen und endzulagern. Dazu soll dann CCS herhalten.
In relativ kleinem Maßstab wurde das Verfahren mit Erfolg getestet. Viele Probleme, die sich durch den Großeinsatz ergeben, sind allerdings noch zu lösen und werden nachfolgend kurz angerissen. Entwicklung und Forschung lassen sich in drei Hauptbereiche unterteilen: Der Abscheidungsprozess, der Transport und die Endlagerung.
Die Abscheidung lässt sich nur mit hohem Energieeinsatz bewerkstelligen. Der Kohleverbrauch pro erzeugter kWh erhöht sich um etwa 25%. Mit den dazu gehörigen Problemen der Landschaftszerstörung, Umsiedlung vieler Menschen sowie Grundwasserabsenkung und -versauerung. Durch den erhöhten Kohleeinsatz fällt der Wirkungsgrad um etwa 10 Prozentpunkte auf vorzeitliche 43% zurück, d.h. es entstehen 57% Wärmemüll, der nicht genutzt werden kann. Der zusätzliche Energiebedarf zur CO2-Abscheidung bedeutet dann in der Praxis, dass neben vier Kraftwerke für Nettostrom ein weiteres Kraftwerk nur für CCS errichtet und betrieben werden muss. In diesem Zusammenhang wird konsequenterweise schon über den Aufschluss zusätzlich erforderlicher Tagebaue nachgedacht.
Es muss außerdem klar gestellt werden, dass die Kohleverstromung mit CCS nicht als CO2-frei sondern lediglich als CO2-arm bezeichnet werden darf. Bezogen auf die ursprüngliche CO2-Menge bleiben auch bei der Anwendung von CCS noch etwa 30% CO2 übrig.
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Kohlekraftwerk Niederaußem bei normaler Wetterlage |
und bei Zusatzbewölkung |
Nach der Abscheidung muss das CO2 dauerhaft untergebracht werden, und zwar viele Milliarden Tonnen. Aber wohin mit dem unter hohem Druck (ca. 200 bar) stehenden verflüssigtem Gas? Die Stromkonzerne sehen vor, das CO2 in tief liegende Salzschichten, so genannte saline Aquifere, zu pressen und in leer geförderte Öl- und Gaskavernen zu füllen.
Z.Zt. kann man noch nicht absehen, ob überhaupt genügend Deponieräume zur Verfügung stehen und ob diese den erforderlichen Dichtheitsanforderungen genügen. Die Deponie darf über viele hundert Generationen kein Gas entweichen lassen. Die Konzerne bieten eine Garantie über 10 Jahre an!
Mögliche Lagerstätten liegen in den nördlichen Bundesländern. Das verflüssigte Gas muss daher unter hohem Druck von NRW über riesige Pipelines in den Norden transportiert werden. Dabei besteht ein Sicherheitsrisiko. Da CO2 schwerer als Luft ist, würde es bei einem Pipelineleck wie eine Flüssigkeit in umliegende Vertiefungen, wie z.B. Häuserkeller, strömen. Es ist zwar nicht giftig, verdrängt aber die Luft mit dem darin enthaltenen Sauerstoff. Menschen und Tiere, die sich in einer solchen CO2-Laache aufhielten, würden innerhalb kürzester Zeit ersticken. Die gleiche Gefahr besteht im Übrigen auch bei leckenden CO2-Lagerstätten. Dies ist der Grund für massenhafte Proteste von Politikern und BürgerInnen gegen die Verlegung einer Pipeline in ihrer Nähe oder das Anlegen einer CO2-Deponie vor ihrer Haustür. Sie lehnen es ab, dass ihre Region als "CO2-Klo der Nation" herhalten soll.
Treten wir nun der Frage näher, ob CCS eine sinnvolle Maßnahme für den Klimaschutz darstellt.
Wie bereits ausgeführt, verbleiben am Schluss immer noch 30% der ursprünglichen CO2-Menge. Damit ließ sich schon die alte Anforderung von -80% nicht erfüllen, geschweige denn die erforderlichen -90%.
Nicht uninteressant sind auch die zusätzlichen Kosten der CCS-Technologie. Die Experten schätzen 5-7 Ct/kWh an zusätzlichen Kosten. Bei 300 Mrd kWh erzeugtem Strom aus fossilen Primärenergien, ergeben sich 15 - 21 Mrd €/a. Diesen Betrag muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, vor dem Hintergrund der von den Kohlelobbyisten beklagten Kosten regenerativen Stroms.
Ob die Technologie zur Abscheidung und Endlagerung überhaupt funktionieren wird, weiß heute niemand zu sagen. Dazu ein Zitat des seinerzeitigen Energieberaters der Bundeskanzlerin Lars Göran Josefsson: "Doch diese unerprobte Technik wird in frühestens 20 Jahren zur Verfügung stehen, und es steht in den Sternen, ob das Verfahren je funktionieren wird." Und weiter führte er aus: "Sollten bis dahin die immensen technischen und rechtlichen Probleme zur CO2-Abtrennung und -Speicherung nicht gelöst werden können, haben wir ein echtes Problem. Dann müssen die Dämme höher gebaut werden."
Ich denke, die angeführten Fakten versetzen Sie selbst in die Lage, die in der Überschrift gestellte Frage zu beantworten.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die CCS-Technologie ist in doppelter Hinsicht unsicher (Gesundheit und technische Möglichkeit), wird zu teuer und käme zu spät. Ganz davon abgesehen, dass sich auch mit CCS das erforderliche Reduktionsziel nicht erreichen lässt.
Was wir brauchen, ist eine wirklich nachhaltige Energiepolitik, die auf den drei Säulen "Einsparung", "Effizienzsteigerung" und "Massiver Einsatz regenerativer Energie" beruht. Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Studien, in denen die Erreichbarkeit des Klimaziels "Max 2°C -Temperaturanstieg" nachgewiesen wird.
Wir alle und mit uns die Politiker müssen es nur wollen!

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