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Vogel des Jahres 2010

Der Kormoran

Phalacrocorax carbo

Von Carolin Dreesmann

Der NABU und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) haben den Kormoran zum „Vogel des Jahres 2010“ gewählt. Die beiden Verbände wollen sich damit offensiv für den Schutz des Kormorans einsetzen, der nach seiner Rückkehr an deutsche Seen, Flüsse und Küsten wieder zu Tausenden geschossen und vertrieben wird.

Kormoran Zeichnung
Zeichnung: Waltraut Schnell


Der Kormoran ist mit 90 cm Körperlänge knapp gänsegroß, bei 2-3 kg Körpergewicht. Sein Gefieder ist überwiegend schwarz mit metallischem Schimmer, Wangen und Kinn sind weiß. Er trägt einen Federschopf am Hinterkopf und besitzt einen langen Schnabel mit Haken an der Spitze. Die weißen Federpartien verschwinden im Schlichtkleid. Junge Kormorane sind überwiegend dunkelgraubraun gefärbt, die Unterseite ist hell bis weißlich.

Kormorane fliegen mit schnellen Flügelschlägen, die immer wieder durch kurze Gleitphasen unterbrochen werden; durch den ausgestreckten Hals wirkt die Flugsilhouette fast kreuzförmig. Schwimmende Vögel liegen auffallend tief im Wasser und halten den Schnabel meist leicht aufwärts gerichtet. Zum Eintauchen wird meist ein kleiner Sprung gemacht, wobei der lange Schwanz typischerweise kurze Zeit aus dem Wasser ragt. Beim Tauchen wird - anders als bei anderen Tauchvögeln - ein Teil der Luft aus den Federn verdrängt und deshalb das Großgefieder teilweise durchnässt. Hierdurch wird der Auftrieb  und damit der Kraftaufwand zum Tauchen verringert. Kormorane bleiben 15 – 80 sec. unter

Wasser und erreichen dabei eine Tauchtiefe von 3-9 m, selten auch bis zu 25 m. Nach den Tauchgängen müssen Kormorane ihr Gefieder wieder ausgiebig trocknen und sind hierbei schon aus großer Entfernung an ihren typisch ausgebreiteten Flügeln sicher zu bestimmen.
Kormorane leben gesellig und jagen gerade kleinere Fische gerne in Trupps. Abends versammeln sich die Vögel an gemeinsamen Schlafplätzen.

Nahrung:
Kormorane fressen bevorzugt 10-20 cm große Fische, die sie ohne großen Aufwand erbeuten können. Dies sind vor allem häufige und wirtschaftlich unbedeutende „Weißfische“ wie Rotaugen, Brachsen und andere Kleinfische, die besonders in nährstoffreichen Gewässern in großen Mengen vorkommen. „Edelfische“ wie Felchen oder Äschen machen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge nur geringe Anteile ihrer Nahrung aus.

Verbreitung und Lebensraum
Kormorane kommen an den Küsten und Binnengewässern in ganz Europa vor. Im Binnenland konzentrieren sich die Kormoranbestände auf die großen Flussauen an Elbe, Weser und Rhein. So findet sich die größte nordrhein-westfälische Kormorankolonie auf den Bislicher Inseln am Rhein.
Besonders im Herbst und Winter sind aber auch durchziehende und rastende Kormorane zu beobachten. Bis Mitte der 80er Jahre traten Kormorane fast ausschließlich auf den Küstengewässern rund um Fehmarn auf. Erst seit Ende der 80er Jahre überwinterten - bedingt durch milde Winter ohne größere Vereisung - Kormorane auch im Binnenland. Die Küstengewässer beherbergten jedoch nach wie vor den größten Bestandsanteil. Die Ostsee hat in ihrer Bedeutung als Überwinterungsgebiet deutlich zugenommen. Nach wie vor haben jedoch die allermeisten Vögel der baltischen Population ihr Winterquartier im Alpenraum und rund ums Mittelmeer.

Fortpflanzung
Kormorane brüten in der Regel ab einem Alter von 3-4 Jahren und leben dann in monogamer Saisonehe. Meistens brüten die Vögel in Kolonien auf Bäumen, selten auch auf dem Boden. Ende April bis Juni legen sie meist 3-4 hellblaue, weiß überzogene Eier, die etwa 4 Wochen bebrütet werden. Die Jungen verlassen das Nest nach 5 Wochen und können aber erst im Alter von 2 Monaten fliegen. Es findet eine Jahresbrut statt, bei Verlusten oder wiederholten Störungen auch Nachgelege.
2004 gab es rund 880 Brutpaare in NRW. 2006 erreichte der Kormoranbestand in NRW seinen bisherigen Höchststand von rund 1000 Brutpaaren. Seitdem wird ein kontinuierlicher Rückgang auf zurzeit 836 Brutpaare verzeichnet. Auch das Herbstmaximum zeigt mit 6000-8000 Exemplaren (Zeitraum 2003 - 2006) und 5000-7000 Kormoranen (2007-2008) eher fallende Tendenz. Im Winterhalbjahr 2008/2009 wurden aufgrund des kalten Winters sogar lediglich 2500 Kormorane gezählt.

Jagdopfer Kormoran
Im Jahre 1900 galt der Kormoran in Deutschland und Dänemark als ausgestorben, als Folge einer gnadenlosen Verfolgung. Eine langsame Wiederausbreitung begann von den Niederlanden und Polen aus, wo geringe Restbestände überlebt hatten. Erst nach konsequentem Schutz durch die EG-Vogelschutzrichtlinie (1979) hat der Bestand in den achziger Jahren bis etwa Mitte der neunziger Jahre exponentiell zugenommen. Heute leben in Deutschland wieder rund 24.000 Brutpaare, davon mehr als die Hälfte in großen Kolonien nahe der Küste. Ihre Zahl hat sich in den letzten Jahren stabilisiert.

Kormoran
Foto: C. Dreesmann

 

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist der Kormoran eine besonders geschützte Art und es ist verboten, Kormorane zu töten oder in irgendeiner Art zu beeinträchtigen. Berufsfischer und Angler versuchen aber immer wieder, die Vertreter von Politik und Behörden von angeblich massiven wirtschaftlichen Schäden und der Bedrohung einzelner Fischarten durch den Vogel zu überzeugen. Unter dem Vorwand eines „Kormoran-Managements“ haben nahezu alle Bundesländer spezielle Kormoran-Verordnungen erlassen, die den bestehenden Schutz der Vögel untergraben. Diese Verordnungen erlauben die flächendeckende Tötung von Kormoranen unabhängig von einem Schadensnachweis an Fischbeständen selbst in Naturschutzgebieten, teilweise sogar ausdrücklich während der Brutzeit. Aufgrund dieser Verordnung werden jedes Jahr in Deutschland wieder rund 15.000 Kormorane getötet. Allein in NRW wurden im Winterhalbjahr 2006/2007 aufgrund der Kormoranverordnung über 2300 Kormorane getötet - rund ein Drittel des gesamten Winterbestandes. Im Winterhalbjahr 2008/2009 waren dies bereits 4239 Kormorane.
Dabei konnten zahlreiche umfangreiche wissenschaftliche Studien übereinstimmend belegen, dass bei nahezu allen Gewässertypen der Einfluss des Kormorans auf den Fischereiertrag gering ist: Kormorane vernichten keine natürlichen Fischbestände und gefährden langfristig auch keine Fischarten! Vielmehr kommt es darauf an, sich für die ökologische Verbesserung unserer Gewässer einzusetzen – damit alle Fische und Wasservögel Raum zum Leben haben. 

Der NABU lehnt eine flächendeckende Regulierung der Kormoranbestände grundsätzlich ab. Denn es gibt Alternativen. Eine zeitgemäße Strategie ist die Schaffung von Ruhezonen. So werden die Wasservögel an Orte gelenkt, an denen sie sich von reichhaltigen Fischbeständen ernähren können – dazu zählen größere Stillgewässer und Flüsse ebenso wie die Küste.

Dadurch verringert sich der Druck auf Fischzuchtanlagen oder die Rückzugsräume seltener Fischarten. An Fischzuchtanlagen bzw. in Zentren der Teichwirtschaft können gebietsweise Probleme durch den Kormoran auftreten. Dort müssen gemeinsam vor Ort Lösungen gefunden werden, wirtschaftliche Schäden durch Kormorane zu verhindern, ohne den natürlichen Bestand der Vogelart erneut zu gefährden. Fischteiche können z.B. durch das Überspannen

mit weitmaschigen und gut sichtbaren Drahtnetzen sowie durch optisches und akustisches Vertreiben wirksam geschützt werden.

Nach drei Jahren Kormoranverordnung und -erlass in Nordrhein-Westfalen mit erschreckend hohen Abschusszahlen und den zu beobachtenden rückläufigen Bestandeszahlen, fordert der NABU-NRW die Landesregierung zudem auf, den Kormoran wieder ganzjährig zu schonen und die Bestandsentwicklung nach den Rückgängen der letzten Jahre erst einmal zu analysieren. Aus Sicht des NABU sollten fischfressende Vogelarten wie der Kormoran als natürlicher Bestandteil unserer Gewässerökosysteme akzeptiert werden.

 

 

 

 

 

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