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Neues von der NABU-Naturschutz- und Landschaftspflegestation (LPS)
Ein Apfelbäumchen pflanzen…
Von Gisela Wartenberg
Dies empfahl Martin Luther als Zeichen der Hoffnung vor Weltuntergangsängsten. Der NABU Rhein-Erft übrigens setzte noch einen drauf – auf zur Zeit acht Flächen stehen Obstbäume alter Sorten, die gepflegt werden.
Pflege – das ist mehr als nur leckere Äpfel ernten. Darauf muss man bei Hochstammobst, wie es auf Streuobstwiesen steht, erst einmal einige Jahre warten.
Schon die Pflanzung gestaltet sich, wenn Wühlmausbefall zu befürchten ist, recht aufwändig. Der Baum muss in einen großen Korb aus feinmaschigem Kaninchendraht eingesetzt werden. Vorher erhält er noch einen Pflanzschnitt, damit Wurzeln und Krone im Gleichgewicht sind und sich gesund entwickeln können. Die Pflanzscheibe ist zu pflegen; bei Beweidung ist ein Verbissschutz notwendig. – i.d.R aus 3 – 4 Pfählen mit robustem Drahtgeflecht. In den ersten Jahren ist für den Kronenaufbau ein regelmäßiger Erziehungsschnitt durchzuführen. Und dann – nach 5 – 7 Jahren endlich die erste nennenswerte Ernte. Ein Grund zum Feiern!
Seit dem Jahr 2000 macht dies der NABU. Mit der Stadt Erftstadt als Mitveranstalter findet jedes Jahr im Oktober das Obstwiesenfest mit Tag der alten Nutztierrassen statt – 2009 zum 10. Mal. Tausende Besucher aus der Region finden jedes Jahr den Weg ins Umweltzentrum Friesheimer Busch, um alte Nutztierrassen und die Vielfalt der Apfelsorten kennen zu lernen. Regionale Anbieter, darunter viele Biobetriebe, laden ein zum Probieren und Kaufen, Vereine des Umweltnetzwerks stellen sich vor, ebenso Institutionen wie Untere Landschaftsbehörde, Forst, Erftverband, Verbraucherzentrale u.a..
Dazu gehört natürlich ein attraktives Rahmenprogramm mit Hütehundvorführungen, Kutschfahrten, Mitmachaktionen Obstsaftpressen, Spinnen, Filzen usw..
Aber wenn das Fest zum 10. Mal stattfindet, sollte es schon etwas Besonderes sein. Das begann im Januar mit der Suche nach dem Schirmherrn. Dieses Mal fiel unsere Wahl auf den Präsidenten des NABU-Bundesverbandes, Olaf Tschimpke, der auch sein Kommen zusagte.
Beim Obstwiesenfest 2009, von links Bundesvorsitzender des NABU Olaf Tschimke, Gisela Wartenberg und Josef Tumbrink mit Tumbrink junior Foto. L. Binek |
Die Arbeitsgruppe der Landschaftspflegestation (im nachfolgenden Text mit LPS benannt) hatte vom Vorstand den Auftrag zur Vorbereitung der Veranstaltung erhalten und (fast) alles lief planmäßig. Nur eins lässt sich nie planen – das Wetter. Am Vortag des Festes goss es wie aus Kübeln. Dabei waren wir in den vergangenen Jahren meist von der Sonne verwöhnt worden. Welche Erleichterung als es am Morgen des 11. Oktober zwar bewölkt, aber trocken war – und blieb, bis 16.15 Uhr, als ein Platzregen niederprasselte. Aber da war das Fest offiziell seit 15 Minuten zu Ende. Punktlandung!
Auf der großen Wiese hatten wir auf einem Traktoranhänger eine Bühne improvisiert, von der aus Hartmut Volkammer die Ansagen machte. Diesmal hatte die Stadt Erftstadt uns einen Lautsprecherwagen bereitgestellt, so dass die Ankündigungen und Erläuterungen gut zu hören waren.
Vor der ersten Hütehundvorführung eröffnete Olaf Tschimpke offiziell das Fest und wartete auch gleich mit einer Überraschung auf. Im Gepäck hatte er die höchste Auszeichnung, die der NABU vergeben kann, die goldene Ehrennadel, die er der Vorsitzenden des NABU Rhein-Erft, Gisela Wartenberg, für ihre Verdienste verlieh. Beim Gang über das Gelände, zeitweise mit Josef Tumbrinck, dem Landesvorsitzenden, zeigte sich Olaf Tschimpke beeindruckt von der Vielfalt des Gebotenen, besonders natürlich von den Aktivitäten des NABU und der NAJU. Pünktlich zum Jubiläum konnten wir im Haus der Umweltbildung unsere (Wander-) Ausstellung „Naturschutzgebiet mit Strickmuster – Naturschutzgebiet ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“ zeigen. Dr. Klaus Cölln und Andrea Jakubzik haben auf acht Tafeln das Gebiet und seine einmalige Artenvielfalt (über 1.000 bisher festgestellte Arten) und die Arbeit des NABU dort vorgestellt. Wer wollte, konnte anschließend im Planwagen, gezogen von zwei prachtvollen Kaltblütern, das sonst nicht für die Öffentlichkeit zugängliche Gelände kennenlernen. Und wie bestellt beobachtete ein Reh am Waldrand die Gäste ohne Scheu.
Hütehund bei der Arbeit Foto. L. Binek |
Zehn Mal Obstwiesenfest… Zeit, Bilanz zu ziehen. Abgesehen von der Vorarbeit, die, wie erwähnt, im Januar beginnt, ist es letztendlich ein gewaltiger Kraftakt für die Aktiven, um den Besuchern die gewohnte Qualität zu bieten. Ca. 60 Aktive des NABU sorgten am Tag selbst für einen möglichst reibungslosen Ablauf. Dafür musste in den letzten Wochen vor dem Fest auch schon mal wichtige (Naturschutz-) Arbeit zurückgestellt werden. Nach dem Einbruch durch die Blauzungenkrankheit der uns vor zwei Jahren das Ausstellen aller Wiederkäuer (Schafe, Ziegen, Rinder) verbot, kam nicht mehr die vorher stattliche Zahl von Tierhaltern zusammen. Neue Kontakte aufzubauen ist zeitaufwändig. So haben wir schweren Herzens im Vorstand beschlossen, das Obstwiesenfest zukünftig im Zweijahresrythmus stattfinden zu lassen. Das nächste findet also erst im Jahre 2011 statt, wenn der NABU Rhein-Erft auf sein 40-jähriges Bestehen zurückblickt.
Wie schon gesagt, die Vorbereitung und Durchführung des Obstwiesenfestes ist nur ein Arbeitsbereich der LPS. Von Januar bis Dezember ist wegen der Tiere täglicher Arbeitseinsatz erforderlich. In der Woche 2 – 3 Stunden eine Person, aber am Samstag um 9.00 Uhr trifft sich die ganze Mannschaft in der Heuhütte – zwischen 6 und 12 Personen, darunter auch wieder einige neue Gesichter: Markus Rauhut, Christian Hemmers und gelegentlich Frau Bickert. Das war auch nötig, denn Krügers mussten aus familiären Gründen aufhören. Damit fehlen uns in der Woche wieder die Leute. Hartmut Kaftan und Birgit Schleicher sind vorerst eingesprungen. Armin Duchatsch und Birgit Schleicher werden seit August vom FöJ (Freiwilliges ökologisches Jahr) unterstützt. Wie immer war im Sommer ein Teil der Tiere auf der Wiedenfelder Höhe und wurden von Hans-Jürgen Fittschen und Dr. W. Rieve betreut. Wir waren mit 69 Tieren in den Winter gegangen, der dieses Jahr auch seinem Namen Ehre machte. Aber die Tiere hatten keine Probleme mit Schnee und Kälte. Am 24.02.2009 kam das erste Ziegenlamm zur Welt. Solveig Muth war vorsichtshalber noch einmal am Nachmittag vorbeischauen und entdeckte es – die folgende Frostnacht hätte das Neugeborene nicht überstanden, wenn wir es nicht rasch in den Stall geholt hätten. Zum Dank gaben wir dem Zicklein ihren Namen – sonst sind die Tiere bei uns namenlos. Glücklicherweise hatte die Arbeitsgruppe die Ställe bereits vorbereitet, so dass wir nach und nach alle trächtigen Ziegen einstallen konnten. Anfang April war das Gröbste geschafft – 35 Schaflämmer wuselten auf den Weideflächen im Munitionsdepot herum, diesmal fast nur dunkle Tiere, und 13 Ziegenlämmer. Zwei trächtige Ziegen ließen uns noch einige Wochen warten. So wuchs die Herde wieder auf knapp 120 Tiere. Anfang Oktober verkauften wir unserem Schäfer aus dem Rhein-Sieg-Kreis die Tiere, die wir zu viel hatten. Auch 78 Tiere machen im Winter noch genug Arbeit, zumal das Futter auf den Weiden durch den langen trockenen Sommer nicht ausreichend nachgewachsen war. Bereits im September musste Heu zugefüttert werden. Mit viel Glück schafften wir es im Juli, das Heu von der Obstwiese in Lechenich trocken einzufahren – das Heu unserer anderen Wiese konnten wir leider nicht bergen. So werden wir doch wieder Futter zukaufen müssen, aber nicht so viel wie im Vorjahr.
Mit Schafschur Mitte Mai, Impfung aller Tiere gegen die Blauzungenkrankheit, Klauenpflege und regelmäßigen Gesundheitskontrollen ging der Sommer vorbei. Pech hatten wir mit dem neuen Ziegenzuchtbock – er erkrankte an der hochansteckenden Pseudotuberkulose und musste getötet werden.
Unsere Ziegen und Schafe haben eine Aufgabe: Das Freihalten der wertvollen Naturschutzflächen vor Verbuschung. Das machen sie arbeitsteilig: Die Ziegen sind überwiegend für Sträucher und Gehölz zuständig, die Schafe für die Krautschicht. Denn ohne Beweidung wird aus jeder Fläche in wenigen Jahren durch Sukzession ein Wald. Bei den übernommenen Flächen Munitionsdepot, Lange Heide Bliesheim und Wiedenfelder Höhe haben wir noch gerade rechtzeitig den Hebel umgelegt, bevor die einzigartige Krautflora mit den auf sie angewiesenen Tieren, vor allem Insekten, unter Gesträuch erstickte.
Unsere Schafe sind auch bei Schnee draußen Foto. B. Wartenberg |
Sehr erfolgreich, auch mit Hilfe der NAJU und einer Reihe zusätzlicher Helfer, haben wir im Winter große Flächen entbuscht. Vor allem die Brombeeren, in denen die Schafe leicht hängen bleiben und sich nicht mehr befreien können. Der Erfolg bleibt nicht aus: In diesem Sommer konnten im Naturschutzgebiet insgesamt 5 heimische Orchideenarten bestimmt werden, 3 davon neue, neben anderen Neuentdeckungen.
Die waren bei der offiziellen Vorstellung der Monitoringergebnisse am 24.04.2009 vor der Presse noch nicht bekannt. Ebenso die erfolgreiche Schnepfenbrut. Leider fehlen uns noch die finanziellen Mittel, die Ergebnisse in Buchform zu veröffentlichen. Sponsor gesucht.
Ein anderes Projekt wurde rechtzeitig eine Woche vor dem Obstwiesenfest der Presse vorgestellt: Gemeinsam mit Dr. Rieve und Dr. Arnold hatte Simone Bergheim die Beschilderung des Obstbaumlehrpfades im Umweltzentrum Friesheimer Busch neu konzipiert, die Rahmen und Pfosten der Schilder hatte die Beschäftigungsgesellschaft Helios angefertigt. Erftstadts neuer Bürgermeister Dr. Rips ist Schirmherr dieses Infoweges.
Weniger spektakulär, dafür aber dringend erforderlich, war der Anbau an dem Schafstall. Unter dem großen Dach können während der Lammzeit Boxen für die Muttertiere eingerichtet werden. Außerdem haben wir endlich einen ausreichend großen überdachten Platz für die Schafschur und die notwendigen Behandlungen der Tiere. Bei großen Veranstaltungen kann er auch für Aktionen genutzt werden. Geplant und weitgehend allein errichtet hat dies Hartmut Volkammer an den Wochenenden des letzten Sommers.
Was es sonst noch gab?
Im Juni waren wir wieder auf dem Wollmarkt in Kuchenheim, im August bot Dr. Arnold eine Führung zur Heideblüte an, und ab Mitte September stand die Obsternte an – diesmal deutlich weniger. Nach der üppigen Ernte des Vorjahres machten die Bäume eine Pause.
Das alles kostet nicht nur Zeit – ca. 7.000 Stunden praktische Arbeit im Jahr, sondern auch Geld. Neben einem festen Zuschuss des Kreisverbandes sind es vor allem Gelder aus dem Vertragsnaturschutz (KULAP). Sie decken gerade die reinen Sachkosten. In diesem Jahr gingen einige größere Reparaturen an den Geräten ordentlich ins Geld.
Was wir uns wünschen? Viele helfende Hände, damit die Kernmannschaft etwas entlastet wird. Jede Art von Hilfe ab drei Stunden an den Samstagen ab 9.00 Uhr hilft uns. Treffpunkt ist immer die „Heuhütte“ im Umweltzentrum. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Unser Team arbeitet Sie rasch ein. Belohnt werden Sie von immer neuen Naturentdeckungen und –erlebnissen bei viel Bewegung an frischer Luft.
Auch Nichtmitglieder sind willkommene Helfer.

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