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Leute im NABU Rhein-Erft
Unsere neue Reihe auf der Internet-Seite
In den vergangenen Jahren haben wir reihum über alle aktiven Ortsgruppen im Kreis berichtet. Vom NABU-Info 2009 an stellen wir die Aktiven vor, die wesentliche Beiträge für den Erfolg der Arbeit des NABU Rhein-Erft geleistet haben.
Wir beginnen mit Wilhelm von Dewitz aus Brühl. Geboren wurde er am 11.05.1931 in Pommern. Sein beruflicher Weg als Wasserbauingenieur führte ihn letztlich in das Rheinische Braunkohlenrevier, wo er bis zum Eintritt in den Ruhestand bei Rheinbraun (heute RWE) tätig war. Bereits 1970 war er im damaligen DBV, wie der NABU damals hieß, in Köln aktiv, noch vor der Gründung unseres Kreisverbandes in 1971. Manfred Stock, unser erster Kreisvorsitzender, erkannte schnell seine Qualitäten, und es gelang ihm, ihn zum Übertritt in unseren Kreisverband zu überreden. Das war 1976, und seither ist sein Name untrennbar mit dem NABU Erftkreis/ Rhein-Erft verbunden. |
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Wilhelm von Dewitz Foto: Gisela Wartenberg |
Wilhelm von Dewitz drängte sich nie in den Vordergrund. Es genügte ihm, im Fachbeirat des NABU zu arbeiten, in dem er bis 2002 Mitglied war. Auf eigenen Wunsch schied er dann aus, um, wie er sagte, Jüngeren Platz zu machen. Was allerdings nicht hieß, dass er sich aus allem zurückzog. Wir könnten auch gar nicht auf sein umfangreiches Fachwissen verzichten, das er teils beruflich, teils aus Liebe und Interesse an der Natur erworben hatte.
Lange Jahre waren Vogelstimmenführungen mit Wilhelm von Dewitz in Brühl fester Bestandteil unseres Veranstaltungsprogramms. Das Wissen dazu hat er sich selbst angeeignet. Einige Vogelarten lagen ihm besonders am Herzen: Das waren die Eulen und Greifvögel, die er mit seinen Mitstreitern Gero Speer und Hermann Schmaus kartierte. Er überredete Landwirte und auch Geistliche, in Scheunen und Kirchtürmen Brutkästen für Schleiereulen und Turmfalken montieren zu lassen. In Kirchtürmen ist dies manchmal eine abenteuerliche Kletterei.
In seiner beruflichen Arbeit musste er so manches Mal natürliche Gewässer verlegen oder gar beseitigen, wenn ein Tagebau vorrückte. Bei der Neuanlage bzw. Verlegung war er immer bestrebt, den neuen Lebensraum so zu gestalten, dass er von den verdrängten Tieren und Pflanzen rasch angenommen wurde. So kam es, dass er für einen der schönsten Vögel unserer Heimat, den Eisvogel, Vogel des Jahres 2009, an neu gestalteten Steilufern künstliche Brutröhren einbaute. Erfreulicherweise wurden sie fast immer angenommen, denn sie wurden nur dort platziert, wo auch das entsprechende Nahrungsbiotop war. Stichwort Biotop: Wilhelm von Dewitz betrachtet jeden Lebensraum in seiner Gesamtheit und den Wechselbeziehungen.
Als Brühler Bürger hat er ein wachsames Auge auf die Bäche und Gewässer der Stadt, aber auch auf den Schlosspark. Immer wieder gab er Anregungen zur naturnahen Gestaltung bzw. zur Verbesserung des ökologischen Zustands. Im Umweltausschuss der Stadt war er gemeinsam mit Hannelore Hälsig vertreten, heute ist er Stellvertreter von Wilbert Spitz.
Er war in vielen Gremien als Vertreter des Naturschutzes tätig und wusste sehr wohl die Interessen des Naturschutzes gegen die Interessen seines Arbeitgebers (Rheinbraun) abzuwägen. Er war in vielen Gremien des Naturschutzes aktiv, bei den Wasserverbänden der Region, als Vertreter der Naturschutzverbände bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie bzw. FFH-Richtlinie. Im Landschaftsbeirat des Erftkreises war er von Beginn an bis 1999 Mitglied, einige Jahre auch bei der Höheren Landschaftsbehörde der Bezirksregierung Köln. In Beteiligungsverfahren nach § 29 Bundesnaturschutzgesetz, heute § 12 Landschaftsgesetz NRW, hat er bis Ende der 90er Jahre sämtliche Stellungnahmen für den NABU sehr kompetent verfasst. Seit einigen Jahren hat er begonnen, sich aus dieser verantwortungsvollen Aufgabe zurückzuziehen, nicht ohne Nachfolger einzuarbeiten. Wenn es allerdings um Brühler Angelegenheiten geht, bringt er sich nach wie vor ein. So etwa bei der Erweiterungsplanung des Phantasialandes. Dank seiner hervorragenden Kenntnis des Gebiets weiß er die gravierenden Auswirkungen durch die derzeitige Planung einzuschätzen. Seine ablehnende Stellungnahme deckt sich mit der Position der Unteren Landschaftsbehörde des Rhein-Erft-Kreises.
Solches Engagement blieb natürlich nicht unbemerkt. Die Silberne Ehrennadel des NABU trägt er schon lange. 2004 wurde ihm für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
Wilhelm von Dewitz zeichnet sich aus durch seine immer loyale Haltung zu seinen Partnern. Seine ausgleichende, ruhige Art und seine Fachkompetenz machen ihn zu einem gefragten Gesprächspartner. Wir hoffen, dass wir ihn noch lange um Rat fragen können, und dass er sich weiter aktiv beispielsweise um den Erhalt des Eisvogels einbringen kann. Dieser würde durch die Phantasialandplanung in einem seiner Lebensräume stark beeinträchtigt.
von Gisela Wartenberg
Haben wir in 2009 mit Wilhelm von Dewitz einen Allrounder im Naturschutz vorgestellt, ist es dieses Mal ein Spezialist. Einer, den ich kenne, seit ich Anfang der achtziger Jahre aktiv im NABU wurde: Gero Speer aus Kerpen.
Geboren wurde er am 21.09.1937 in Bocholt. An der TH Aachen studierte er Maschinenbau mit Schwerpunkt Kraftfahrwesen. Im Entwicklungszentrum bei Ford arbeitete er bis zum Eintritt in den Ruhestand.
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Foto: Gisela Wartenberg |
1974 trat er dem DBV (Deutscher Bund für Vogelschutz, wie der NABU damals hieß) bei. Bereits 1973 hatte er sein Fachgebiet gefunden. Er wurde aktiv in der Aktion Wanderfalken- und Uhuschutz (AWU), später auch in der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW – NRW). Seine derzeitige Aufgabe sieht er in der Betreuung der Wanderfalkenpaare im Rheinischen Braunkohlengebiet. Einige sind „Wanderfalken“ im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie brüten im Gestänge der riesigen Braunkohlenbagger und „wandern“ so während der Brutsaison durch den Tagebau. Die Beringung dieser Tiere wäre für manche Eventagentur sicher ein Highlight. Für Gero Speer und seine Mitstreiter ist sie notwendige Arbeit für die Bestandserfassung dieser noch vor 20 Jahren vom Aussterben bedrohten pfeilschnellen Jäger der Lüfte.
Gero Speer hat aber nicht allein den Wanderfalken im Visier. Die ganze Familie der Greifvögel hat ihn von Beginn an fasziniert. Seit 1981 macht er u.a. Greifvogelbestandsaufnahmen im Raum Kerpen, so dass wir im Kreis über eine solide Datenbasis dieser Arten verfügen.
Überregional machte er auf sich aufmerksam, als er gemeinsam mit Achim Kostrzewa 1995 das Buch „Greifvögel in Deutschland – Bestand, Situation und Schutz“ herausgab. Damit sind wir bei seiner internationalen Arbeit. Er ist nicht nur Mitglied in der Greifvogelgruppe der NWO (Nordrhein-Westfälische Ornithologen), sondern auch im WWF, der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, der Raptor Research Foundation und dem Peregrine Fund. Im Beirat des NABU Rhein-Erft, dem er von Anfang an angehört, berichtet er immer wieder von seinen naturkundlichen Reisen vor allem nach Afrika, über internationale Konferenzen, an denen er seit 1982 teilgenommen hat sowie über internationale Symposien weltweit. Nach der Wende unternahm er auch zahlreiche Reisen nach Mecklenburg-Vorpommern zur Beobachtung der dort noch vorkommenden Adlerarten.
Leute mit derart profunder Sachkenntnis sind gefragt. Seit zehn Jahren ist er Mitglied im Falknerprüfungsausschuss NRW. Er sieht darin keinen Widerspruch zum Naturschutz – im Gegenteil: Nur bei ausreichender Sachkenntnis ist verantwortungsvolle Falknerei gewährleistet. Wer kann diese Sachkenntnis besser beurteilen als jemand, der mehr als sein halbes Leben sich dem Schutz dieser Tiergruppe verschrieben hat?
Berichtet Gero Speer von seiner Arbeit im Vorstand, klingt es ganz unaufgeregt und nüchtern. Wer jedoch genauer hinhört, spürt zwischen den knappen Worten, wie sehr ihm diese Vögel am Herzen liegen!
Gero Speer ist Träger der Silbernen Ehrennadel des NABU für seine Verdienste um den Greifvogelschutz – einer der vielen Spezialisten des NABU Rhein-Erft, die der Garant unserer anerkannten Kompetenz sind. Aber was viel wichtiger ist: Dieses Wissen hat er sich im Laufe der Jahre angeeignet – er hat es nicht studiert.
Wir wünschen uns, dass dieses Portrait interessierte Leser zur Nachahmung anregt. Fachgebiete gibt es reichlich im Naturschutz!

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