Text u. Fotos: Dirk Schotten u. Leonhard Binek
Im Rahmen der 13. Europäischen Fledermausnacht führte die Ortsgruppe Elsdorf am 28. August 2009 einen Fledermausabend am Grouvener Weiher in Elsdorf-Grouven durch. Da Leonhard Binek die Fledermausnacht gut in der örtlichen Presse angekündigt hatte, kamen mehr als 120 Erwachsene und Kinder, um mehr über Fledermäuse zu erfahren. Sie erlebten einen unterhaltsamen und spannenden Abend.
Das Programm war vor allem auf Kinder zugeschnitten. „Mit wem sind unsere Fledermäuse verwandt?“, fragte Dirk Schotten, Ansprechpartner für Fledermausfragen im Rhein-Erftkreis und NABU-Mitglied.
„Mit den Mäusen“, lautete die klassische Antwort. „Sind Fledermäuse etwa fliegende Mäuse?“, hakte Schotten nach. Um so überraschter waren die Kinder, als sie erfuhren, dass Primaten und somit auch wir Menschen nahe Verwandte der Fledermäuse sind und nicht Mäuse, die zu den Nagetieren zählen. Doch wie kommt man auf diese These?
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| Jagende Fledermaus im Bild festgehalten– für unser Auge ist sie zu schnell Foto: Gerhard Mäscher, NABU |
Menschen und Fledermäuse haben viele gemeinsame Merkmale. Beide haben Oberarm, Unterarm und fünf Finger. Beide haben einen Ohrdeckel – Tragus genannt -, der bei uns Menschen im Gegensatz zu den Fledermäusen aber nur noch schwach ausgeprägt ist. Andere Tiere haben dieses Merkmal nicht. Fledermäuse und Menschen haben anatomisch identische Geschlechtsorgane. Dies wird besonders deutlich, wenn man beobachtet, wie die unterschiedlichen Säugetiere ihre Jungen säugen. Während Kühe Euter haben, Katzen Bauchzitzen, haben Fledermäuse Brustzitzen. Die Lebenserwartung ist ebenfalls identisch, wenn man das Lebensalter der Menschen zu Zeiten vor der Industrialisierung zugrunde legt. „Und wie viele Junge bekommen Fledermäuse?“, fragte Schotten. Die Antwort war den Kindern nun klar: “Vermutlich eins oder zwei“, lautete der Vorschlag von Niklas.
Diese spannenden Informationen wurden durch Fledermausspiele aufgelockert. So versuchte eine Fledermaus(Kind) mit Hilfe seiner Rufe Falter(Kinder) zu fangen. Natürlich, ohne die Augen zu Hilfe nehmen zu können. Schließlich ist es nachts ja dunkel.
Beim Gummibärchenspiel erfuhren die Kinder, wie Fledermäuse ihre Beute fangen. Zunächst vermuteten die meisten Kinder, dass sie diese mit dem Maul fangen. Doch so ein Fledermausmaul ist klein und ein Insekt manchmal ziemlich schnell. Die Kinder versuchten also zunächst, Insekten (Gummibärchen) mit dem Mund zu fangen. Wahrscheinlich würden Fledermäuse so bei der geringen Trefferquote verhungern. Also durften die Kinder ihre „Flügel“ zur Hilfe nehmen. Nun ging es deutlich besser. Fledermäuse nutzen auch ihre Flughäute, um Insekten mit Hilfe dieses „Keschers“ zu fangen.
Nachdem der Nahrungserwerb erklärt war, waren mutige Kinder gefragt. Die kleine Leonie trat nach vorne und sollte ihre Hand ausstrecken. Schotten streute ihr ein „krümeliges Pulver“ auf die Hand und frage, was das wohl sein könnte. Während Leonie überlegte, folgte prompt ein Hinweis: „Wer in einer Nacht bis zu 4000 Zuckmücken frisst, muss auch viel verdauen“ lautete Schottens Tipp. Leonie war leicht irritiert, als sie ahnte, was sie da auf der Hand hatte. Dennoch schauten sich auch die Erwachsenen erstaunt an, wie Fledermauskot aussieht , wer hat schon mal Fledermauskot auf der Hand gehabt? Das können wahrscheinlich nur wenige Menschen von sich sagen.
Während die Kinder bei einem weiteren Spiel mehr über Fledermäuse erfuhren, konnten sich die Erwachsenen am Info-Stand bei Theresia und Leonhard Binek mit Informationsmaterial rund um den NABU und die Fledermäuse informieren und versorgen.
Dirk Schotten hatte noch einige jugendliche Helfer mitgebracht, die weitere spannende Fragen stellten „Warum gibt es im Sommer mehr weibliche Fledermäuse im Norden und mehr männliche Fledermäuse im Süden?“ fragte beispielsweise der 19-jährige Marius die Kinder. „Weil es auf Mallorca schön warm ist!“, vermutete eines der Kinder.
Die Erklärung hat etwas mit dem Zugverhalten einiger Fledermausarten zu tun. Einige Fledermausarten ziehen im Herbst wie Zugvögel in südliche Bereiche, wo sie sich vor dem Winterschlaf noch einmal zusätzliche Fettreserven anfressen können. Die Fledermausmännchen warten bei diesen Wanderungen auf die vorbeiziehenden Weibchen, um diese anzulocken und sich mit ihnen zu paaren. Gewissermaßen wissen die Männchen, dass die Weibchen im Herbst vorbei kommen. Daher verbleiben sie direkt in den südlichen Bereichen und sparen sich den Flug in den Norden. Die Weibchen hingegen müssen ihre Jungen versorgen und sind deshalb auf nahrungsreiche Gegenden angewiesen. Sie weichen also in den Norden aus, wo der Populationsdruck nicht so groß ist.
„Aber ist es nicht unsinnig, vor dem Winterschlaf für Nachwuchs zu sorgen?“ wurden die Kinder gefragt. „Schließlich müssen Fledermäuse ja im Winterschlaf sehr sparsam mit ihrer Energie umgehen. Da passt es doch nicht, gleichzeitig die energieaufwendige Entwicklung der Fledermausbabys zuzulassen.“
Das schien auch den Kindern unlogisch. „Vielleicht brauchen die Babys nur wenig Energie“ mutmaßte der 7-jährige Alexander.
Wie so oft hat sich die Natur hier wieder einen besonderen Trick einfallen lassen.
Nach der Paarung im Herbst und im Winter findet noch nicht die Befruchtung der Eizellen statt. Die Spermien der Fledermausmännchen werden über den Winter konserviert. Die Befruchtung findet erst im nächsten Frühjahr statt. Das hat den Vorteil, dass die Entwicklung der Jungen nicht in die Zeit der Winterruhe fällt. Und sollten die Männchen den Winter nicht überstehen, ist dennoch für die nächste Fledermausgeneration gesorgt!
Nach so vielen Informationen war es gegen 21:30 Uhr endlich dunkel genug, Fledermäuse mit Hilfe der Bat-Detektoren zu beobachten. Nach zögerlichem Beginn konnten Wasserfledermäuse und Zwergfledermäuse beobachtet werden. Besonders die Wasserfledermäuse waren gut bei ihrer Jagd über der Wasseroberfläche zu sehen. Manche der Besucher hatten noch nie Fledermäuse gesehen! Zwischendurch huschten auffallend andere Fledermausrufe ins Konzert. Das mit den „nassen“ und den „trockenen“ Fledermausrufen haben die Kinder dann aber sicherlich nicht mehr alle verstanden. Zu müde waren sie nach dem langen Fledermausabend. Und während die Menschen so langsam müde nach Hause gingen, wurden die Fledermäuse immer munterer.
Menschen und Fledermäuse haben also auch ihre Gemeinsamkeiten!

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