Phantasialand - Die unendliche Geschichte
von Wilbert Spitz
2009
Im Mai 2008 platzte die Bombe: Kurz vor dem entscheidenden
Regionalratstermin, an dem die Regionalplanänderung beschlossen werden
sollte, veröffentlichte der Regierungspräsident Lindlar ein Schreiben des
Umweltministers von NRW Uhlenberg, in dem klar geäußert wurde, dass das Land
NRW nicht beabsichtigt, den Wald zu verkaufen.
Doch der Reihe nach: Bis es zu dieser erfreulichen Nachricht kam, erlebten
alle Beteiligten eine wahre Achterbahnfahrt an Emotionen. Unerfreulich fing
es für uns im Januar an. Ein von uns gemeldetes Vorkommen an
Springfroschlaich im Erweiterungsgebiet kam in der Bevölkerung nicht gut an.
Wir wurden bezichtigt, dass uns Frösche wichtiger als Menschen bzw.
Arbeitsplätze wären. Deshalb nahmen wir von weiteren Veröffentlichungen in
dieser Richtung Abstand. Ein weiteres Ärgernis war der Erörterungstermin der
öffentlich Beteiligten. Hier machte die Stadt Brühl unverhohlen Druck auf
die Bezirksregierung.
Dann aber wendete sich das Blatt erstmals für uns. Die Bezirksregierung
lehnte die 30 ha-Planung ab und reduzierte das Vorhaben auf 16 ha
Erweiterungsmöglichkeit. Ein Video brachte schließlich den Ball richtig ins
Rollen und schuf ein riesiges Medieninteresse. Anwohner des Phantasialands
haben beobachtet, wie bei Bauarbeiten am Märchensee große Mengen Bauschutt
in den See versenkt wurden, dieses gefilmt, zur Anzeige gebracht und uns das
Video zugespielt, so dass wir beeindruckendes Material an die Medien
weiterleiten konnten. Langsam wurde die Bevölkerung auch auf das Problem
aufmerksam. Eine wahre Flut von Leserbriefen, worin das Vorgehen vom
Phatasialand verurteilt wurde, gingen bei den Zeitungen ein.
Demo September
Diese Situation war auch die Geburtsstunde von Bovivo, einer
Bürgerinitiative, die sich aus der ehemaligen IG Phantasialandanlieger
gebildet hat. Ziel der Initiative ist es, Badorf, Pingsdorf und Umgebung
lebenswert zu erhalten und zu gestalten. Wir pflegen eine intensive
Zusammenarbeit.
Im Landschaftsbeirat sorgte der Vorsitzende Dieter Rupp dafür, dass das
Thema Phantasialand ein ständiger Tagesordnungspunkt wurde.
Außerdem wurde einstimmig(!) eine Resolution verabschiedet in der die
Erweiterungspläne rundweg abgelehnt werden.
Das Medieninteresse ließ nun auch die Politiker aktiv werden. Es folgten
Einladungen zu Informationsgesprächen bei allen Fraktionen (außer bei den
Grünen, die ja ohnehin schon auf unserer Seite kämpfen!!). Bei der fwb
(Freie Wähler; ehemals BvB) führte dies dazu, dass dort die Erweiterung nun
ebenfalls abgelehnt wurde. Die anderen Parteien zeigten sich da
beratungsresistenter. Immerhin pflanzte Hardy Fuß (SPD) mit viel
Medienrummel den 50 001. Baum. Sinnigerweise außerhalb des geplanten
Erweiterungsgebietes.
Es folgte ein aufreibendes Tauziehen. Weiße Trauerbänder (weiß ist im
asiatischen Kulturkreis Trauerfarbe; außerdem markieren Forstleute Bäume,
die nicht gefällt werden sollen, mit weißen Bändern) mit denen Bäume im
Erweiterungsgebiet von der BI „50tausend Bäume“ markiert wurden, wurden in
einer Nacht- und Nebelaktion von Erweiterungsbefürwortern wieder entfernt.
Einen Trauermarsch mit zahlreichen Teilnehmern zum Stiefelweiher, der von
den Bundes-Grünen mit Bärbel Höhn als prominentester Vertreterin und der BI
"50tausend Bäume" im Rahmen der UN-Diversitätskonferenz, initiiert wurde,
begleiteten nahezu 200 Interessierte.
Das Phantasialand antwortete mit einer breit angelegten Medienkampagne, in
der u.a. von angeblich 3600 neu geschaffenen Arbeitsplätzen, die durch die
Erweiterung in den „Schrottwald“ entstehen würden, die Rede war. Dies alles
geschah im Vorfeld der geplanten Entscheidung in der Regionalratssitzung vom
Juni 2008, die dann aus den oben genannten Gründen auf die nächste
Regionalratssitzung im September verschoben wurde.
Kundgebung mit Bärbel Höhn
So blieb mehr Zeit, weitere Aktionen zu starten. Für die im vergangenen Jahr
begonnene Unter- schriftenaktion konnten auf regelmäßig statt- findenden
Infoständen weitere Unterschriften ge- sammelt werden. Über 7200
Unterschriften wurden dann im September bei einer Kundgebung vor dem Rathaus
dem Bürgermeister übergeben. Gleichzeitig erhielten auch der Regionalrat die
Unterschriftenliste.
Die alles entscheidende Regionalratssitzung fand ungewöhnlicherweise in
Aachen statt. Wie nicht anders zu erwarten war, stimmten alle Fraktionen
außer den Grünen für die Erweiterung. Zuvor hatte eine kontroverse
Diskussion stattgefunden, da der Regierungspräsident Lindlar die
Entscheidung mangels Grundlage von der Tagesordnung nehmen wollte. Nun
stehen wir vor der kuriosen Situation, dass der Regionalplan geändert wird
und anschließend der Gebietsentwicklungsplan und der Bebauungsplan
aufgestellt werden können. Das Gebiet steht Phantasialand jedoch wegen der
fehlenden Verkaufsabsichten des Landes - wie nochmals im Schreiben vom
25.09.2008 von Minister Uhlenberg bekräftigt - nicht zur Verfügung.
Trotzdem müssen wir auf der Hut sein. Denn nichts ist wankelmütiger als die
Politik. Sollten die politischen Verhältnisse sich ändern, so kann es doch
ganz schnell zu einem Landverkauf kommen. Deshalb werden wir unsere
Aktivitäten nicht ruhen lassen. Weiterhin finden Begehungen im betroffenem
Waldgebiet statt. Wir werden bei jeder Gelegenheit die Werbetrommel für
unser Anliegen rühren.
Die Zusammenstellung der stattgefundenen Aktivitäten erhebt keinen Anspruch
auf Vollständigkeit. Sicher habe ich das ein oder andere vergessen zu
erwähnen, aber es sei an dieser Stelle den zahlreichen Helfern für ihre
tatkräftige Unterstützung gedankt.
Wir sammeln weiterhin Geld für eine eventuelle Klage:
Spendenkonto Naturschutzbund Deutschland im Rhein-Erft-Kreis e.V.
Konto-Nr.: 0190 00 01 14
BLZ: 370 502 99
Kreissparkasse Köln
Stichwort: “50TausendBäume“
Benötigen Sie eine Spendenquittung, so geben Sie bitte auch Ihre Adresse mit
an.
Termine der Wald-Begehungen: Winterzeit : Jeder 2. Sonntag im Monat um
14:00 Uhr,Sommerzeit: Jeder 2. Freitag im Monat um 18:00 Uhr.
Weitere Informationen siehe: http/:www.bi-50tausendbaeume.de

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